2013-03-28

Bratislava - Tag 5 - Gammeltag

Nachdem ich gestern Abend ja doch eine ganze Weile unterwegs und wach war, spielte ich heimlich mit dem Gedanken, mir das Frühstück ans Bett bringen zu lassen. Aber ich war dann doch tapfer genug, furchtbar matschig runter zum Frühstücksbüffet zu gehen und mir wie üblich mein Futter zu holen. Heute gab es auch endlich mal was Attraktives zum Anschauen. Aber das darf ich ja nicht schreiben, weil sonst alle wieder irgendwelche Fotos haben wollen, die es von mir aber niemals gibt!
Nach dem Frühstück war ich wieder gezwungen, mich ein wenig hinzulegen und für den Rest des Tages zu stärken. Ein kompletter Tag im Hotelzimmer hätte zwar (vor allem bei dem Wind!) durchaus seinen Reiz gehabt, aber dann hätte die Putzfrau vermutlich ein bisschen blöd geschaut. Von daher kam ich mittags wieder aus meinem Schlafgemach gekrochen, zog mich an und lief los. Zu jenem Einkaufszentrum, wo meine Bratislava-Reise am vergangenen Sonntag auf leicht skurrile Art und Weise begann. Das Ganze nennt sich EUROVEA und ist ein ziemlich modernes Gebäude, wie ich erfahren habe. Und darin finden sich - was mich sehr überrascht hat - diverse Einkaufsmöglichkeiten. Ich lief ungefähr eine Stunde sämtliche Etagen ab, warf von draußen einen kurzen Blick in alle Läden (mit Ausnahme der Unterwäscheläden für Frauen) und versuchte immer wieder mal, das W-LAN auf meinem Handy zum Laufen zu bekommen. Is ja fast überall kostenlos verfügbar... War aber nix. Macht ja nix. Irgendwann habe ich mich dann tatsächlich in ein Geschäft getraut und musste mal wieder feststellen, dass ich einen entsetzlich fetten Arsch habe. Und der Hosen-Schnitt "long" - in Deutschland vermutlich in dieser Form gänzlich unbekannt - bietet tatsächlich Hosen-Möglichkeiten für Menschen mit entsetzlich langen Beinen! Aber für Menschen mit dickem Hintern und eher minimal überdurchschnittlich langen Beinen wie mich ist das dann auch nichts. Zur Hose gabs noch ein T-Shirt mit V-Ausschnit. 

Irgendwie hat mich dieses Shirt so angelächelt... Das hab ich ganz oft, dass ich mir denke Das ist aber heiß! und darauf hoffe, dass das irgendwie auf mich "abfärben" könnte... Na ja. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Nach meiner kleinen Shopping-Tour bin ich wieder ins Hotel gegangen, habe meine Sachen ab- und mich ins Bett gelegt, denn so ganz auf der Höhe war ich trotzdem noch nicht. Und dann gabs noch ein bisschen Asi-TV und einen kleinen Stadtspaziergang und ein weiteres Abendessen mit slowakischen Spezialitäten (überbackener Käse - sehr geil, macht aber sehr satt) und dabei ein paar wehmütige Notizen ins Schreibheft gekritzelt... 

Das wird also mein Bratislava-Urlaub gewesen sein. Morgen werde ich dann wieder nach München fahren, noch mal kurz Wien sehen und dann habe ich noch eine Woche Urlaub, die ich vermutlich mit Freunden und Langeweile verbringen werde, und dann gehen Schule und Arbeit bald wieder los! Jippie!

(Ich finde es übrigens toll, mal wieder ein bisschen mehr zu bloggen... Vielleicht erinnere ich mich in nächster Zeit ein bisschen öfter daran.)

Bratislava - Tag 4,5 - the suspicious clubnight

Wie in meinem vorherigen Blogpost bereits angekündigt, verspürte ich eine leichte Lust, mich im gemeinen Tanz zu vulgärer Musik zu ergehen. Sollte ja auch an einem Mittwoch-Abend nicht so schwer sein. Immerhin ist Mittwoch der Tag vor dem Tag, an dem üblicherweise das Wochenende anfängt, der übrigens morgen auch mein letzter kompletter Tag in Bratislava sein soll...

Also die Google-Maps-Suche nach music clubs bratislava spuckte original zwei Ergebnisse aus. Ach, das mit dem subclub und dem anderen Laden hatten wir ja schon... Jedenfalls ließ ich mich tatsächlich dazu hinreißen, zu diesem radost music club zu gehen. Zuvor fragte ich allerdings die relativ jung aussehende Rezeptionistin, was von dem Laden so zu halten sei... "Well, I think, I've been there about ... seven years ago..." - oh - " ... and it's a nice place to meet friends and people and more like a bar..." - okay... Soll mich nicht weiter davon abhalten, da hinzuschauen... Ich bin ja eher der schüchterne Mensch, also habe ich ein paar Anläufe (also eher Vorüberläufe) gebraucht, überhaupt erst mal in diese Mini-Seitenstraße zu gehen, wo dieses radost sein soll und dann war da diese Tür und meine Schüchternheit und ich hab mir gedacht Mein Gott, du bist doch sonst auch nicht auf den Mund gefallen! und dann bin ich reingegangen, habe ein Bier (1,90€, und der Barkeeper wollte noch nicht mal die popeligen 10 Cent Trinkgeld haben!) getrunken, der Musik gefrönt und bin dann wieder gegangen. Als ich wieder im Hotel angekommen bin, habe ich zur Rezeptionistin gesagt: "You were totally right! -- Is the hotel bar still open?", denn irgendwie war das da alles nicht so erfrischend... Jedenfalls bin ich aus dem Laden (ich bin gerade gedanklich wieder im radost) rausgegangen, habe einen Blick auf die andere Straßenseite geworfen und - das RTL-Mittagsfernsehen lässt grüßen - ein betrunkener Jugendlicher auf der anderen Straßenseite!
Das an sich war ziemlich unsexy, aber nachdem viele Leute drumrum standen und ein Polizeiwagen an mir vorbei fuhr, der an bewusster Stelle anhielt, ging ich wieder zu meinem Hotel zurück. Aber unterwegs kamen mir schon ein paar verdammt sexy Gestalten entgegen. Hallelujah! Aber ich glaube, in der Altstadt - wo ich mich in den vergangenen Tagen herumgetrieben hatte - sind die attraktiven jungen Menschen eher nicht unterwegs. 
Man kann halt nicht alles haben.

Und dann gab es einen Cuba Libre an der Hotelbar. 
Und das große Resümee...:
radost ist tatsächlich nicht wirklich ein Club, sondern vielmehr eine Bar mit echt geilem Sound, aber wenn man allein dort ist, will nicht wirklich Stimmung aufkommen... (Okay, wer ist schon allein in einer Bar unterwegs...) Dahingegen kann man an der Hotelbar des Park Inn Danube Hotels eine ganze Menge lernen. Zum Beispiel, dass diese 10%-Sache mit dem Trinkgeld schon üblich ist. Das musste ich einfach fragen, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, dass niemand bislang mein Trinkgeld wirklich haben wollte. Aber hinterherwerfen tue ich es ihnen bestimmt auch nicht...!

Somit also keine wirkliche Club-Nacht. Aber immerhin eine Erfahrung, die man vielleicht gemacht haben sollte... Wenn man in Bratislava unterwegs ist. 

Und jetzt fülle ich den Zettel aus, den ich ausfüllen muss, wenn ich gerne Frühstück ins/ans Bett bekommen möchte. Es ist auf jeden Fall zu spät, als dass ich morgen noch irgendwann zwischen halb sieben (!) und um zehn aufstehen könnte, um mir den Wanst vollzuschlagen...

2013-03-27

Bratislava - Tag 4 - Kultur...dings

Ich habe meine Versprechung wahr gemacht und bin gewissermaßen zum Bergsteiger mutiert! Ich habe den Schlossberg bestiegen, um die Pressburg zu besichtigen und mir einen tatsächlichen Über-Blick über die Stadt zu verschaffen. Und wenn alles das, was ich da zu Gesicht bekommen habe, Bratislava ist, dann ist diese Stadt tatsächlich gar nicht mal so klein, sondern hat nur einen enorm kleinen Altstadtkern, aus dem ich aber so gut wie kaum rauskomme. Hier ein kleines Beweis-Panorama (ich liebe Panorama-Bilder!) über die Stadt:

Na, was sagt man dazu? Ist doch ganz nett da oben... Und ich habe auch gerade mal eine halbe Stunde dorthin gebraucht. Und dank intensivster Vorbereitung habe ich mich auch überhaupt nicht verlaufen, sondern bin über den einen oder anderen ganz bestimmt geplanten Umweg direkt zur Burg gekommen. Ist ja einfach: Immer nach oben. Ich bin ja aber nicht nur der Aussicht wegen dort hochgestiegen. Aber man ahnt es bestimmt schon: Wenn ich so viel über den Aufstieg schreibe, kann das Oben kaum sonderlich interessant gewesen sein... Sagen wir es mal so: Ich weiß jetzt, dass irgendeine andere Burg letztes oder vorletztes Jahr mal ganz doll gebrannt hat. Und dass die Slowaken nicht wirklich gut darin sind, Ausstellungen einzurichten. Jedes Ölgemälde glänzt ganz schrecklich und man kann von den riesengroßen (übrigens nicht wirklich aufregenden oder tollen) Bildern kaum was erkennen. Ich wollte aber eigentlich nicht so negativ darüber schreiben... Es gab auch etwas Aufregendes! Man konnte einen Turm hochsteigen und nachdem ich oben angekommen war und heimlich ein paar Bilder gemacht hatte, bekam ich zum ersten Mal seitdem ich hier bin, die Gelegenheit, Deutsch zu sprechen: "Ach du heilige Scheiße!" (Der Hintergrund ist der, dass ich mit meinen fast zwei Metern trotzdem entsetzliche Höhenangst habe und mit der Körpergröße entsprechend große Füße einhergehen, die auf den ziemlich kurzen Stufen sehr weit überstehen... UND die Treppen waren sehr steil!)

Als ich irgendwann den Burgberg verlassen habe und mich wieder der Altstadt näherte, konnte ich mit einem unvermeidbar breiten Grinsen dabei zusehen, wie ein junger Tourist von einer fetten Dachlawine fast in die Knie gezwungen worden wäre. Ich bin ja nicht schadenfroh, aber ich musste sehr schnell weitergehen, damit ich nicht laut losbrülle. (Das mit den Dachlawinen ist übrigens auch der Grund, weshalb ich hier entweder direkt an der Häuserwand oder so weit wie möglich von allen Gebäuden entfernt entlanglaufe. Hab das schon oft genug beobachtet.)

Ein wenig von der ersten Ausstellung enttäuscht, beschloss ich bei einem enorm riesigen Latte Macchiato, noch das Slowakische Nationalmuseum (Slovenské národné múzeum) unsicher zu machen. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass es mir ohnehin keinen sonderlich sicheren Eindruck gemacht hat. Eher marode: Die einzelnen Holztäfelchen im Parkettboden waren lose, die Treppen in den Räumen knarzten und die Aufseherin in dem Raum mit den vielen wunderschönen Fotos von Tieren in der Natur hatte eine Stimme, die irgendwo zwischen den deutschen Synchronstimmen von Alf, Darth Vader und einem Kaffeevollautomaten beim Bohnenmahlen anzusiedeln war.
Nichts für Ungut. Die Ausstellungen waren alle ganz nett anzusehen. Ich betrachtete sie in folgender Reihenfolge: Bilder von Tieren - Style and Fashion of the 1960s - Holocaust-Denkmal - Steine - Urzeit-Zeugs - ein unaufhörlich trötendes Mammut - ein Wald. Und dieser Wald war tatsächlich ein wenig befremdlich: Baumstämme mit aufgespießten Krabbelkäfern und irgendwo versteckt die Namen dieser Krabbelkäfer! Und dann kommt man noch zu einer kleinen Unterwasserwelt, wo mir dieser etwas tief hängende Kollege links beinahe mit seiner Flosse das Auge ausgestochen hätte!
Und dann gabs noch Bären, Wölfe, Füche, Lüchse, Bisons und Eichhörnchen. Lebt alles in der Slowakei. (Das erinnert mich daran, dass ich vor Kurzem zwischen Muffatwerk und Gasteig einen Fuchs gesehen habe...)

Bei den Museumseintrittspreisen kann man auch mal eine langweilige Ausstellung verkraften. Wobei  ich mir doch oft genug meine Schwester herbeigewünscht hätte, mit der wirklich jede Ausstellung außerordentlich lustig wird! Vor allem bei den vielen Portäts... Gott, was hätten wir uns gegenseitig in Grund und Boden gelästert!

Und nach meinem Abendessen - und dem begleitenden Bier - bin ich irgendwie in Partylaune. Zum Glück habe ich ja das Album MUSIC FROM THE EAST BLOCK JUNGLES von Proxy im Gepäck. Macht übrigens auch Spaß, das zu hören, wenn man in der Stadt unterwegs ist. Aber hätte diese Stadt eine U-Bahn (oder Metro, wie man hier drüben bestimmt üblicherweise zu sagen pflegt), dann wäre das der ultimative U-Bahn-Soundtrack!
Jedenfalls spuckt die Google-Suche nach music clubs bratislava gerade einmal zwei Ergebnisse aus. Und dieser subclub scheint zwar enorm cool, aber heute leider geschlossen zu sein. Von daher befürchte ich, dass ich mit dem radost music club Vorlieb nehmen müsste. Und da läuft heute Drum'n'Bass, Dubstep und Trap. Mal sehen, ob ich später noch nüchtern genug bin, da reinzukommen... Aber üblicherweise hätte ich schon Bock, denn dies ist immerhin die letzte Gelegenheit, einen Club in Bratislava zu besuchen. Und irgendwelche Club-Erfahrungen muss ich ja mit nach Deutschland nehmen...

2013-03-26

Bratislava - Tag 3 - Kulturschock

An meinem dritten Tag in Bratislava haben endlich auch die Museen geöffnet. Dies nahm ich zum Anlass, zunächst die Slowakische Nationalgalerie (Slovenská národná galéria - SNG) aufzusuchen, die sich allerdings gerade im Umbau befindet und von daher momentan nur eine Ausstellung im Angebot hat: krv. Ich bekam an der Kasse ein englischsprachiges Faltblatt in die Hand gedrückt, das den Titel Blood trug. Dies lag den Verdacht nahe, dass es wohl um Blut geht. (Trailer zur Ausstellung übrigens hier) Ich befand mich in einer Galerie - wie schlimm konnte es also werden? 
Im ersten Bereich ging es um das heilige Blut und das Christentum (man kennt das ja: Eucharistie, Wein zu Blut und so weiter...) Da gab es ein paar Jesus-Bilder mit Blut und ein bisschen Apokalypse und ein bisschen was Modernes. Dann kamen zwei Räume, die mich sehr verstörten: blue blood (the call of blood), wo es "performance, installation" des Künstlers Mr. B.R.A. gab. Zum Glück nur auf einem kleinen digitalen Bilderrahmen, aber die elf Minuten habe ich mir mal angeschaut. Der Name dieses Kunstprojektes lautete B.R.A.3.9 (Anklicken des Links auf eigene Gefahr!) Es ging um zwei Fetzen Haut, die jemandem aus der Oberarm-Innenseite herausgeschnitten wurden, die quasi kultiviert wurden und die kultivierte Flüssigkeit mit Hautzellen wurde in eine große Sprühflasche gegeben und in einem weißen Raum an die Wände gesprüht. Richtig mitgedacht: Da kleben dann Hautzellen an der Wand. Überall. Sehr verwirrende Angelegenheit.
Im nächsten Raum own blood (blood of the artist) fanden sich Fotografien eines Künstlers, der irgendwas mit körperlichem Bewusstsein und Natur zu tun hatte ... Es ließ sich nachvollziehen, dass er sich einmal den Arm aufschnitt um einen kleinen Zweig hineinzustecken. Klingt nicht nur ungesund, ist es auch tatsächlich gewesen: Der Gute hätte fast seinen Arm verloren, weil er sich eine Blutvergiftung zugezogen hat. Oder eine Infektion. Oder beides. (Er hat seinen Arm tatsächlich nicht verloren. Zumindest nicht wegen diesem Zweig.)
Was ich wiederum sehr interessant fand, war die Arbeit der Juwelierin und Künstlerin Kristýna Španihelová, die Blut so bearbeitet hat, dass man daraus Kristalle formen kann, aus denen man dann Schmuck bastelt.
Was ich auch sehr nett fand, das waren die wounded pictures - Bilder, die bluteten und verbunden wurden.
Eine letzte Anmerkung zur Authentizität und Ernsthaftigkeit dieser Ausstellung: An manchen freien Steckdosen wollte der Anschein erweckt werden, als liefe dort ebenfalls Blut heraus. Gar nicht mal so schlecht...

(Wenn ich über jedes Museum so viel schreibe, wird das hier alles irgendwann Überhand nehmen...)

Im Anschluss an diesen verstörenden Galerie-Aufenthalt jedenfalls suchte ich ein Café auf, in dem ich einen extragroßen Latte Macchiato zu mir nahm und die restlichen Urlaubspostkarten schrieb, die ich daraufhin zur Post brachte. Sie werden erster Klasse reisen. Vermutlich hat das den Preis ein wenig in die Höhe getrieben, aber immerhin werden sie es wohl bequem haben.

Dann kehrte ich ins Hotel zurück, um diesen Blogpost zu verfassen, was ehrlich gesagt ziemlich lang gedauert hat, da ich ja auch noch die eine oder andere Recherche anstellen musste... Als ich irgendwann fertig war, hatte ich spontan Lust aufs Waffenmuseum, aber als ich dort angekommen bin, hatte es nur noch eine dreiviertel Stunde geöffnet und vielleicht hätte sich das nicht wirklich gelohnt. Aber für den morgigen Tag habe ich immerhin schon einen Plan. Oder vielleicht auch zwei. Der eine wäre das Slowakische Nationalmuseum, der andere dies hier - die Pressburg:
Vielleicht entscheide ich das morgen dann spontan. Wäre aber blöd, wenn ich in Bratislava wäre und der Burg keinen Besuch abstatten würde. Zumal ich gelesen habe, dass es da auch eine nette Ausstellung geben soll.

Also, also! Morgen gibts mehr von mir!

2013-03-25

Bratislava - Tag 2 - Überblicksgewinnung

Tadah, mein zweiter Tag in Bratislava! Ich habe mich am heutigen Morgen - direkt vor dem Frühstück - ein bisschen über das Feedback zu meinem gestrigen Blogpost belesen und da war ein Freund bei Facebook dabei, der hat geschrieben: "Bratislava ist nett. Klein halt - ich frage mich was Du eine Woche da machen willst." Und da habe ich mir gedacht Na mal schauen. Da geht doch bestimmt was... Und dann war ich frühstücken, habe mich noch einmal kurz ins Bett gelegt und bin nach einer Stunde wieder aufgestanden und habe mich angezogen, damit ich mir einen kleinen Überblick über die Innen-/Altstadt verschaffen konnte. Ich zog also los und hatte erst mal das Ziel, herauszufinden, was da eigentlich gestern bei mir schief gelaufen ist, dass ich einfach mal so ganz woanders gelandet bin - Einkaufszentrum statt Hotel. Anderthalb Kilometer daneben. Es hat sich jedenfalls herausgestellt, dass ich den Fehler gemacht habe, irgendwelchen absurden Trambahnschienen zu folgen, statt einfach erst mal runter zur Donau zu gehen. Und das lag natürlich nicht an meinem eher mittelmäßigen Orientierungssinn, sondern vielmehr an gewissen Unwägbarkeiten und dem Versuch, sich auf Trambahnlinien zu verlassen.
Es ist übrigens verdammt schwer, sich in einer fremden Stadt auf Grundlage von ziemlich fremdländisch klingenden und darüber hinaus kaum zu findenden Straßennamen zu orientieren! Und wenn man sich überhaupt gerade mal zuvor erst per Google Maps informiert... Aaaaber das steht auf einem anderen Blatt geschrieben...

Jedenfalls bin ich ungefähr zwei Stunden durch die Stadt gelaufen, um mir einen Überblick zu verschaffen, die Museen auszuchecken und eventuell das eine oder andere sogar schon zu besuchen. War aber nix. Pustekuchen. Die Museen haben alle am Montag geschlossen. Ich konnte mir weder die Nationalgalerie noch das Nationalmuseum noch das Pharmazeutische Museum noch das Waffenmuseum noch sonst irgendein Museum anschauen. Also bin ich noch ein bisschen länger durch die Gegend gerannt und habe einen total tollen Orientierungspunkt gefunden: Ein Metallmann, der aus nem Gullideckel schaut und sein eigenes Straßenschild hat:
Wenn ich seinen Rücken in meinem Rücken habe, dann habe ich einen McD auf der linken Seite, dann muss ich rechts rum und immer geradeaus und dann stehe ich auch schon wieder vor meinem Hotel. Oder auch vor der deutschen Botschaft, die übrigens keine Minute von meinem Hotel entfernt ist. Und - die Klischees lassen grüßen - vor der Botschaft steht ein VW... Dazu hätte ich prinzipiell auch ein Bild. Aber ich will ja niemanden über-verwöhnen...

Bevor das wieder irgendwie ausartet, werde ich lieber mal wieder zum Wesentlichen kommen... Ich kaufte heute ein paar Postkarten, da ich mir überlegt habe, dass ich durchaus in der Pflicht stehe, dem einen oder anderen Menschen (bislang komme ich auf acht) eine Postkarte aus meinem Urlaub zu schicken. Morgen werde ich die fertig schreiben (zwei Drittel habe ich schon geschrieben) und zur Post bringen. Ich hab zwar keine Ahnung, was das so kosten wird, aber ich nehme mal an, dass das ähnlich günstig werden wird, wie das Bier, was ich vorhin in der 17's Bar getrunken habe. Ich war so verwirrt, dass ich direkt ein vielleicht etwas übertriebenes Trinkgeld gegeben habe, mit dem ich immer noch zwei Euro unter dem mickrigen Trinkgeld in München geblieben bin. Donnerwetter.

Ich habe hier noch ein Foto vom Hlavné Námestie. Das ist laut Schildern das City Centre - also sozusagen der Bratislavarare ... Bratislavarer ... Das ist quasi der Marienplatz der slowakischen Hauptstadt!

Was sagt man dazu...?

Ha! Es ist viel zu spät! Ich muss doch morgen wieder früh aufstehen! Ich werde jetzt also lieber ins Bett gehen. Immerhin muss ich morgen früh um acht wieder unten am Frühstücksbüffet stehen. Das ist nicht viel Zeit... 

Gute Nacht!

2013-03-24

Bratislava - Tag 1 - Anreise

Anfang Februar habe ich es mir ja in den Kopf gesetzt, endlich mal wieder Urlaub im Ausland zu machen. Ursprünglich wollte ich ja nach Prag fahren, aber ich habe mir dann überlegt, dass ich schon ziemlich häufig dort war und ein bisschen Abwechslung wäre ja gar nicht so verkehrt. Und dann ist mir aus einem mir unerfindlichen Grund Bratislava eingefallen. Die Geschichte musste ich schon ein paarmal erzählen, denn so recht wollte es niemandem einleuchten, was man denn ausgerechnet in Bratislava tun soll...
Jedenfalls habe ich mich relativ schnell um eine Zugfahrt gekümmert und habe zwei Wochen später jenes Hotelzimmer gebucht, in dem ich mich auch gerade befinde, um meine hochverehrte Leserschaft mit meinen Erlebnissen zu beehren.
Hier also der Bericht zu meinem Anreise-Tag...

Nachdem ich gestern Abend nicht allzu lang unterwegs war, habe ich es zum Glück geschafft, früh aufzustehen, zum Bahnhof zu fahren und in den RailJet Richtung Budapest zu steigen. Aufmerksame Leser meines Blogs wissen, dass ich bereits vor vier Jahren in Budapest war. In Wien, wo ich vom Westbahnhof zum noch im Bau befindlichen neuen Hauptbahnhof fahren musste, traf ich mich mit einem alten Bekannten, den es leider dorthin verschlagen hat. Es geht ihm dort gut. Das ist erfreulich. Und so habe ich auch mal ein kleines bisschen Wien gesehen. Fand ich ehrlich gesagt nicht besonders, aber immerhin ganz hübsch. Vor allem, als ich die Stadt mit dem Zug Richtung Bratislava wieder verlassen habe, sind mir einige architektonische Schönheiten aufgefallen. 

(Ich sehe schon: Das läuft gleich darauf hinaus, dass ich mehr über das ganze Davor schreibe, als über meine Zeit in Bratislava...)

Als ich irgendwann in Bratislava angekommen bin, habe ich das einfach so gemacht, wie das alle Menschen machen würden, die sich in einer fremden Stadt so überhaupt nicht auskennen: Ich bin allen anderen Leuten hinterhergelaufen und stand auf einmal vor dem Hauptbahnhof (hlavná stanica). Zum Glück habe ich mich super vorbereitet und konnte demzufolge sofort in einen Bus einsteigen, der mich in Richtung meines Hotels bringen sollte. Eigentlich. Dieses fiese Internet hat mir allerdings vorenthalten, dass heute in der Stadt irgendein Marathon stattgefunden hat, weshalb die Busse ein "bisschen" von ihrer üblichen Route abgewichen sind. Mein Hotel befindet sich direkt auf der City-Seite der Donau und aufgrund meiner touristischen Unbedarftheit hat es sich ergeben, dass ich plötzlich auf der falschen Donau-Seite war und lieber schnell den Bus verlassen habe. Und dann stand ich da - einsam, allein und mit einer ziemlich schweren Tasche in der Hand auf einer Brücke mit vielen schnellen Autos, keiner Möglichkeit, diese Brücke zu überqueren und einer leichten Panik. Aber ich hab das ja alles so gewollt: Ein bisschen Improvisation muss sein. Irgendwie habe ich doch einen Weg zur gegenüberliegenden Bushaltestelle gefunden und bin einfach zwei Stationen zurückgefahren, womit ich wieder auf der richtigen Donau-Seite war. Dank meinem bildlichen Geächtnis habe ich selbstverständlich vor meinem inneren Auge die Karte der Stadt gehabt, weshalb ich - unwissentlich eigentlich schon ziemlich nah am Ziel - mich von diesem sehr entfernte. Aber  immerhin habe ich dadurch ein Shopping-Center gefunden.
Und an dem Punkt hat es mir auch schon gereicht mit meiner Improvisation. Ich habe mich dann endlich getraut, jemanden anzusprechen und zu fragen, ob er englisch spreche und mir vielleicht weiterhelfen könne. 
Und jetzt haltet euch fest: Er konnte mir weiterhelfen! Ich bin da an einen entsetzlich netten Typen geraten, der mich dazu gebracht hat, alle Mutti-Ratschläge über den Haufen zu werfen und zu einem fremden Mann ins Auto zu steigen. Mutti hätte vermutlich auch nie damit gerechnet, dass mich ein Mann mitnehmen will, der einen Bentley und einen eigenen Fahrer hat - UND mit mir auch noch eine kleine Stadtrundfahrt durch das (zugegebenermaßen recht überschaubare) City Center macht, während wir zu meinem Hotel fahren. So habe ich gleich ein bisschen was gelernt und gesehen und hatte dieses bombastische Gefühl, in einer fremden Stadt in einem Bentley am Hotel vorzufahren. Zum Abschied hat er mir noch seine Nummer und E-Mail-Adresse gegeben und gesagt, dass ich mich gerne melden kann, wenn was sein sollte.
Vermutlich werde ich heute eher keinen Abstecher mehr zur Hotelbar machen. Stattdessen plündere ich die Minibar, während ich mir - elender deutscher Spießer! - den Tatort aus Münster reinziehe. 

Ich habe mir übrigens vorgenommen, wieder so ein bisschen Reisetagebuch zu führen. Ich gehe davon aus, dass an den Folgetagen nicht so viel Text kommen wird. Dafür aber vielleicht das eine oder andere Foto.

2012-09-01

Ende und Anfang

Das war also das. Mein letzter Tag als Praktikant. Ich bin zu spät in die Arbeit gekommen, weil ich verschlafen habe und ich bin früher gegangen, weil ich noch woanders arbeiten musste. Und dann kommt mir in den Sinn, es ist Zeit, zurückzublicken. Auf ein Praktikum, das eigentlich drei Praktika waren. Ich blicke zurück auf gut ein Jahr Arbeit. Also so richtig. Vollzeit. Als ich kurz vor Silvester meinen ersten letzten Tag als Praktikant hatte, war ich tatsächlich ein bisschen wehmütig, musste mir eine Träne wegdrücken, bekam einen Kloß im Hals und zog von dannen. Zwei Monate später war ich wieder da und alles wurde umfangreicher, verantwortungsvoller, aufregender. Ich habe viel gelernt und eine Menge interessanter Sachen gelernt.
Dies also zum Thema Rückblick.
Und jetzt ein vorsichtiger Blick in die Zukunft: 
Nichts wird sich ändern. Ich bin immer noch da und die Verantwortung ist nach wie vor da und vor mir liegen zweieinhalb Jahre Zeit als Auszubildender. Endlich etwas, was greifbar ist. Vieles habe ich schon gelernt und vieles werde ich noch lernen. Learning by doing. Learning by doing in Berufsschule in Starnberg und Betrieb in München.
Ich freue mich auf das, was da kommt und bin alles in allem guter Dinge. Wann konnnte ich das schon das letzte Mal in irgendeiner Weise behaupten? 
Die Zukunft kann kommen. Und das wird sie. Und sie wird gut.

2012-08-06

Möbelrücken

Wenn die verdammten Ficker über mir nicht bald checken, dass zwanzig nach zwölf mitten in der Nacht eine asoziale Zeit ist, ihre verfickten scheiß schweren Möbel neu zu arrangieren, laufe ich Gefahr, irgendwann zu platzen, zeitnah zu denen hochzugehen und sie zu fragen, was eigentlich in ihrem kranken Hirn vorgeht, dass sie sich einfallen lassen, auch nur daran denken zu können, dass dies eine geeignete Uhrzeit für derartige Aktionen sei.

2012-06-18

Ein Wochenende irgendwo. In Berlin.

Ich habe es mir mal wieder gegönnt und habe meine süddeutsche Lieblingsstadt verlassen um mir ein bisschen Ruhe und Abwechslung zu gönnen. Das heißt konkret, dass ich meine Eltern im Östen besuche und wenn ich denn schonmal da bin, dann mache ich ja auch üblicherweise einen mehr oder weniger kleinen Abstecher nach Berlin. Ist ja quasi ums Eck. Und wenn ich in Berlin bin, dann mache ich ein bisschen was von dem Kram, den man halt so in Berlin macht und treffe ganz viele tolle Menschen. Alte Bekannte und Freunde, die sich irgendwann mal dazu entschieden haben, München den Rücken zu kehren und das aufregende richtige Großstadtleben zu genießen.
An dieser Stelle will ich allerdings nur einen kleinen Überblick darüber geben, was ich in Berlin so gemacht habe...

Am vergangenen Freitag setzte ich mich bei verhältnismäßig komischem Wetter in den Zug nach Berlin und genoss den Ausblick auf die heruntergekommensten Menschen Bahnhöfe, die Ostdeutschland so zu bieten hat. Glücklicherweise konnte ich im Zug ein wenig dösen und wurde zeitnah im Bahnhof Friedrichstraße von einem Bekannten in Empfang genommen, mit dem ich mir ein bisschen die Zeit vertrieb, bis ich mir ein Auto suchte und zum Jan (@poursuivre) fuhr, der sich dankenswerterweise bereiterklärte, mir einen Schlafplatz für dieses Wochenende anzubieten. Einen Großteil des restlichen Abends verbrachte ich mit Freunden in einer Bar. Irgendwo. Vermutlich oben. Aber ich mit meinem Orientierungssinn war halt irgendwo. Dort wars sogar sehr nett und ich wurde beinahe gezwungen, noch auf eine WG-Party irgendwo in Schöneberg zu gehen. Als ob es in der Bar nicht schon genug zu trinken gegeben hätte. Und eben wegen meines schlechten Orientierungssinnes ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, mit einem Taxi von rechts oben nach links unten zu fahren. Unterwegs habe ich mich intensiv mit dem Taxifahrer über die Unterschiede zwischen München und Berlin und die eventuelle Konkurrenz der "neuen" stationsunabhängigen Carsharing-Anbieter zum Taxifahren unterhalten. Top-Secret-Informationen!
Ehrlich gesagt fängt dieser erste Abend dann auch schon an, ein wenig undeutlich zu werden. Auf der WG-Party wurde irgendwann Feierabend gemacht und dann war es hell draußen und ich saß mit einer Gruppe junger (attraktiver) Menschen an irgendeinem Platz. Kotti. Oder Görli. Ich weiß es nicht mehr genau. Dann war da dieser Bus. Und es gab irgendwas vom Türken, Kirsch-Porter und Salbei zum Frühstück. Morgens zwischen 8 und 9 Uhr. Irgendwann.

Verständlich, dass man dann erstmal ein bisschen ausschlafen muss, bevor man am nächsten Tag/Abend auf das schwul-lesbische Straßenfest in Schöneberg (Und das weiß ich sogar mal genau: Motzstraße!) geht. Und da habe ich mich dann mit dem @MrPelz verabredet, mit dem ich demnächst eine Band gründen werde, in der er Schlagzeug spielt und ich daneben stehe und gut aussehe. Das Cover-Foto für unser erstes Album haben wir jedenfalls schonmal:
Zwischenzeitlich lud mich @poinck zum Kochen und Essen ein. Nach ein paar Unsicherheiten ließ ich mich dann tatsächlich dazu überreden, schwang mich ins nächste DriveNow-Auto und fuhr durch die Stadt. (Über das Autofahren in Berlin möchte ich mich an dieser Stelle lieber nicht auslassen.) Man kochte, unterhielt sich gut und ernsthaft und aß gemeinsam Bratkartoffeln. Vegetarisch. Olé! Brunhilde war auch da. Ein Hund zu Gast bei Freunden. Anschließend fuhr ich wieder zu Jan zurück und wir ließen den Abend gemütlich mit Wein und Gesprächen über Musik und Konzerte ausklingen. Morgens um vier, als es draußen schon wieder dämmerte, gingen wir dann aber auch ins Bett. Wir sind ja schließlich keine zwanzig mehr.

Am nächsten Tag traf ich mich mit einem weiteren Freund, der immer wieder mal in München ist, den ich auch von daher kenne, ansonsten aber in Berlin wohnt, spazierte mit ihm durch den Volkspark Friedrichshain und ging anschließend ebenfalls dort zum Grillen, bevor ich mich erneut mit einer Gruppe attraktiver junger Menschen am Potsdamer Platz traf. Wenn man schon zu einem Deutschland-Spiel während der Fußball-Europameisterschaft in Berlin weilt, dann kann man sich ja auch mal diese Fanmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule anschauen. Man könnte sagen, wir haben uns einen ziemlich zentralen Platz ausgesucht und waren auch gar nicht weit von der LED-Leinwand weg. Dass die deutsche Mannschaft das Spiel 2:1 gegen Dänemark gewonnen hat, ist ja gemeinhin bekannt und soll daher hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Wie es da auf der Fanmeile so aussieht, davon kann man sich hier einen kleinen Eindruck verschaffen:
Tja, nach dem Spiel war in Berlin die Hölle los und Jan und ich warteten geduldig ungfähr eine dreiviertel Stunde auf den Bus, der aber so gar nicht kommen wollte. Irgendwann ist man dann trotzdem in Neukölln angekommen und aß einen Döner und trank ein Sterni. Standard.