Denkbar wenige Dinge gibt es, die mich wirklich inspirieren oder mich zum Schreiben wohl animieren, doch meine ich eine Sache gefunden zu haben, welche es durchaus vermag, in mir eine ungebrochene Lust und Motivation zum Schreiben zu wecken, wenn ich selbst es auch eher seltener vermag, diese regelrechte Schreibwut in irgendeiner produktiven Art und Weise umzusetzen.
Ich sah heute den Film Capote und mich berührte dieser Film doch irgendwo in meinem Inneren. Nicht nur, dass mir der Film selbst sehr gut gefallen hat, wie er aufgezogen ist, wie die Bilder auf den Zuschauer wirken, sondern auch die Thematik hat mich wieder mal gefesselt. Zuletzt erfuhr ich dieses Gefühl beim Film Die Wonder Boys, in dem es noch viel eher um das Schriftstellertum geht als in Capote.
Lernen kann man von diesen Filmen so viel, wenn man sich nur auf sie einlässt. Zum Beispiel habe ich bei Capote gelernt, dass es durchaus auch jahrelanger Recherche und Arbeit kosten darf, einen Roman zu schreiben, wenn man sich nur selbst nicht zu sehr unter Druck setzt. Bei Die Wonder Boys habe ich gelernt, dass man aufhören sollte, wenn man droht, sich in dem, was man schreibt, zu verlieren. Vermutlich kann ich es nicht so recht formulieren, von daher will ich es anhand des Filmes erklären:
Die Hauptperson des Filmes schreibt schon seit sehr langer Zeit an einem Buch, fühlt sich ein wenig bedrückt von der hohen Erwartungshaltung der Leute – denn sein erstes Werk war ein Millionenbestseller –, weshalb er wohl auch ständig kifft, doch bekommt eine seiner Schülerinnen sein Typoskript zu lesen und verschlingt es förmlich (was eine beträchtliche Leistung ist, denn es hat eine Seitenzahl im vierstelligen Bereich (einzeilig beschriebene Seiten) aufzuweisen) und bildet sich so ihre Meinung zum Buch und zum Urheber. Die Meinung lautet im englischen Original wie folgt:
It’s just that, you know, I was thinking about how, in class, you’re always telling us that writers make choices – at least the good ones.[…] But at times it’s , well, very detailed […] and I don’t know, maybe I’m wrong, but [sometimes it’s] like […] you didn’t make any choices at all.
{Es ist bloß so… Sie wissen schon… Im Unterricht sagen Sie uns immer, dass Schreiber Entscheidungen treffen – zumindest die guten. […] Aber manchmal ist es, na ja, sehr detailliert […] und ich weiß nicht, vielleicht liege ich falsch, aber manchmal kommt es mir so vor, als würden Sie nie Entscheidungen treffen.}
Die Pointe allerdings ist, dass ihm dann sein Typoskript durch die Gegend fliegt und er im Grunde genommen sein Werk, das in einem sehr langen Zeitraum entstanden ist, förmlich untergehen sieht und irgendwie nimmt er es ganz gelassen, wenn ich mich recht erinnere. Und das war auch der Punkt, wo ich mir gedacht habe, dass es besser ist, etwas zu begraben, bevor man zu lange an etwas arbeitet und sich hineinsteigert in etwas, ohne recht zu wissen, wo es enden soll. Diese Unwissenheit (um das Ende) ist Gift.
Stolz musste ich auch erkennen, dass meinem bereits etwas längere Zeit schlummernden Einzimmer eine solche Unwissenheit nicht innewohnt, denn ich hatte von Anfang an das Ziel vor Augen.
Sowohl das Ziel, als auch den Weg, den Anfang, die Methodik, was es werden soll. Und ich habe mir geschworen, dass ich Einzimmer beenden werde. Egal, zu welchem Zeitpunkt. Das habe ich mir zu Silvester letzten Jahres geschworen und ich bin nicht einer von denen, die mit sich selbst brechen, indem sie ihre selbst gegebenen Versprechen brechen.
Ich nicht…