2007-11-13

Lektorenleid 4

Dies ist nun also der abschließende Beitrag zu diesem Buchprojekt. Vielleicht kommt noch ein kleines Fazit am Ende. Das Buch habe ich übrigens schon vor einer Woche lektoriert wieder zurückgeschickt. Und einen Klappentext gab es inklusive. Na ja. Schauen wir doch mal auf meinen Zettel:

Es gibt wieder mal etwas zu berichten von der Front, an der Autoren gegen die vermeintliche Umgangssprache kämpfen. Ich weiß ja nicht, ob alle die Wendung "auf Teufel komm raus" kennen… Wenn nicht, ist es auch nicht so schlimm. Es handelt sich um eine gewisse Erbarmungslosigkeit, die an den Tag gelegt wird, wenn etwas hiermit beschrieben wird. Jedenfalls kann man als Autor, der gegen den Inflationären Gebrauch von Umganssprache ist, auch das schreiben:
Auf Teufel komm heraus
Sieht nicht nur bescheuert aus, klingt auch so und ist es auch.
Auch für die Rubrik Pleonasmen habe ich etwas gefunden. Klar, man kann einen Countown beginnen oder so, aber wenn man der englischen Sprache so ungefähr mächtig ist, muss man schon bei "den Countdown herunterzählen" etwas stutzen.

Haben wir schon mal über unintelligente Zeichensetzung geredet? Na ja, hier habe ich schon mal so etwas angerissen, aber das hier ist dann doch noch mal so richtig schön blöd und sehr gut dazu geeignet, die Dummheit mancher Autoren und Kommasetzer zu verdeutlichen:
"Auf der anderen Seite was, habe ich schon großartiges erreicht im Leben?"
Und da möchte ich jetzt mal davon absehen, dass es ja hier um etwas Großartiges geht und nicht um irgendetwas, das großartig ist. Es müsste natürlich heißen "Auf der anderen Seite: Was habe ich schon Großartiges erreicht im Leben?" Dumm gelaufen.

Und für irgendwelche Nettigkeiten hat man sich in dem Buch bisweilen auch gern revangiert. Ja. Ich würde zwar persönlich eine Revanche vorziehen und habe dem Autoren diese jetzt auch oktroyiert, aber niedlich-bescheuert fand ich diese Schreibweise schon. So doof kann man ja eigentlich gar nicht sein.

Obwohl… Wenn ich dann so etwas zu lesen bekomme, zweifle ich doch immer wieder:
"Sie haben ein gutes Herz und Sie werden eine gute Frau finden, der Sie es verschenken können."
Igitt. Besteht bei euch nicht auch diese Assoziation, wo der Akt des Verschenkens etwas mit einer Art feierlichen Übergabe zu tun hat? Also wenn es jetzt hier um eine Dienstleistung ginge, die etwas mit Organtransplantationen zu tun hätte… Aber es handelt sich ja hier um eine Art Endzeitspektakel! Und darum sollte sich der Empfänger wohl doch darauf beschränken, sein Herz einer lieben Frau zu schenken, denn da bleibt wenigstens die volle Metaphorik erhalten.

Apropos Endzeitspektakel: Angenommen, ihr wüsstet, dass morgen schon die Welt untergeht und müsstet euch bei euren Freunden verabschieden… Ja, genau. Genau wie der Autor werdet ihr wohl auch ein "Auf Wiedersehen" als unangebracht empfinden. Und ich hoffe, ihr findet ein "Lebewohl" genauso unangebracht wie ich – im Gegensatz zu unserem Autoren, der seine Hauptfigur nämlich genau das in der Endzeit zu ein paar Leuten sagt. "Macht's gut" wäre auch okay. Aber ich weiß gar nicht mehr, für was ich mich an der Stelle entschieden habe. Und ich bin zu faul, jetzt nachzusehen.

Nun gut… Nachdem die Hauptfigur das Bad aufgewischt hat (nicht die kleine Überflutung, die dort stattfand; er hätte lieber im Bad wischen sollen) und darum gebetet hatte (Hat er nun für etwas an einen Gott oder so gebetet oder hat er bei einer weltlichen Person um etwas gebeten?), stöberte er auf einen kleinen Lokalsender (auf den er vielleicht lieber hätte stoßen sollen, denn das liegt im Rahmen des Möglichen), wusste er sich keinen Rat mehr (Oder wusste er sich vielleicht nicht mehr zu helfen oder wusste nur keinen Rat mehr?) und machte sich auf den Weg und legte sich mächtig in die Pedale. Kann man das so sagen? Für "kräftig in die Pedale treten oder etwas in der Art hätte ich ja noch Verständnis… Aber so? [Das waren jetzt einzelne Fetzen, die ich zusammengefügt habe.]

Haben wir nicht schon mal über Vergleiche gesprochen, die mit Anführungszeichen verekligt werden? Ich habe noch so etwas Sinnbefreites gefunden. Also etwas Ähnliches:
Sekunden schienen ihm wie Stunden vorzukommen.
Ich könnte mir jetzt gerade nur eine Situation vorstellen, in der diese Formulierung legitim wäre: Der Erzähler befindet sich in der Position des Beobachters und beobachtet eine Person bei einem intensiven Drogenrausch. Bei diesem hat man sehr offensichtlich den Eindruck, dass die Zeit für den Bedrogten unwahrscheinlich langsam vergeht. Man hat also selbst den Eindruck, dass dem Konsumenten der Drogen Sekunden wie Stunden vorkommen. Aber ansonsten ist diese Formulierung für den Arsch.

Falsche rückbeziehende (reflektive) Beziehungen aufzubauen, wird auch sehr gerne gemacht. Sehr häufig hört man dann Leute so Sachen sagen wie "Das Mädchen, die …", was ja auch logisch ist, weil Mädchen in aller Regel weiblich sind. "Das Mädchen" allerdings ist sächlich, weshalb da nicht "die", sondern "das" hingehört. Man muss das aber nicht nur mit Geschlechtern machen, es geht auch mit Zeitformen. Oder aber mit Personenanzahlangaben:
… entdeckte er ein Pärchen, das Hand in Hand spazieren gingen.
Ja klar, ein Pärchen ist immer zwei Personen (Auch eine interessante Formulierung, nicht wahr? Aber man kann sich ja eigentlich aussuchen, worauf sich "ist" bezieht. Auf das Pärchen oder auf die zwei Personen? Ich bevorzuge das Pärchen aufgrund der größeren Nähe), aber dennoch ist das Pärchen als Eines zu betrachten und von daher ging es im Singular spazieren! Oder sollte das nur wieder so ein Im-Satz-umdenke-Fehler sein wie hier:
… , dass die Kollisionsseite genau hier stattfinden sollte.
oder hier:
Sanft massierte er sie, bis er sich irgendwann neben ihr sitzend einschlief.
?

Egal.
Zu guter Letzt (und das meine ich ernst) ein Satz, den ich in dem Buch gefunden habe, der aufgrund seiner von mir empfundenen Qualität in diesem Müllwerk von Schriftstellererzeugnis nichts verloren hätte:
Und zurück blieb nur ein großer Schatten eines Betonbauwerks, der mit der Stille verschmolz.
(Und über den verkürzten Genitiv am Bauwerk sehe ich jetzt einmal hinweg!)

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Autsch! Manche Sachen tun schon weh...

Liebgruss
André