Ja, ich war dabei. Meine erste Nachtschicht, die allgemein achtzehnte Nachtschicht in Dessau war ein Wechselbad der Gefühle. Nachdem ich auf dem Weg in die Dessauer City mit Benno schon ein wenig voglühte (nicht ohne Grund, meine lieben Blogleser!), ich ein wenig Geld für weiteren Getränkekonsum holte und wir uns dann mit unseren Freunden trafen, war ich ziemlich gut drauf und ohne Karte. Später dann kaufte ich mir im P1 für acht Abendkasseneuro eine Karte, also so ein Papierbändchen fürs Handgelenk. Das war, nachdem wir einmal die Zerbster Straße (Richtung Rathaus) hochgelaufen sind. Dann sind wir zum Wassily und dann wollte ich gern zum McD, da ich mir dort vernünftige Musik erhoffte, weil dort ein DJ war. Als wir dort ankamen, sah es eher ein wenig nach Kindergeburtstag aus, weshalb wir wieder umdrehten. Wir bezeichnet an dieser Stelle übrigens Marei, Kathrin und mich, da wir Benno an der Ampel vorm Wassily an seine Homies verloren haben, die an einer Ampel, die sich zu jener Uhrzeit nicht mehr in Betrieb befand, auf grün zu warten schienen. Dann sind wir wieder zum P1, wo ich Marei zwang lieb bat, mit mir eine Runde zu tanzen und Kathrin gelangweilt und entnervt gedankenversunken am Rand stand. Dann konnte ich das aber nicht mehr mit ansehen und dann erlöste ich sowohl Kathrin als auch Marei von ihrem Leib Leid. Weil dann irgendwie gar nichts mehr los war, beschlossen wir, ins Depot zu fahren und da war aber noch nicht offen, weshalb wir uns noch mal kurz in das Auto setzten, mit dem die Marei uns durch die Gegend fuhr. Dann - so ungefähr viertel nach eins oder viertel zwei - wurden die Tore geöffnet und wir sind da rein, haben unser Bändchen gezeigt und mir wollte der olle Türsteher schon wieder an die Tasche. War ja neulich im Kino schon so. Da hab ich dann meine Tasche geöffnet, wies darauf hin, dass sich dort nur zwei Lampen befänden (Bennos Fahrradbeleuchtung) und diese nicht mal mir gehörten. Da meinte der Typ zu mir "Lampen? Für die Kamera, oder was?" und ich ließ das einfach mal so unkommentiert. Herrgott... Im Kino nehmen die aber auch echt jeden an... Die Leute würden auch im Kino mit Licht filmen. Horste! Na jedenfalls habe ich mich am Eingang vom Depot auch etwas horstig benommen, indem ich (in der Dunkelheit) meine Tasche geöffnet habe, möge der Mann doch bitte reinsehen. Und der hat mir da einmal ordentlich rangelangt und hat mich durchwinkt.
Und: Nein, die Tasche ist an dieser Stelle keine Metapher! Mich berührte keiner anzüglich oder so.
Als wir dann im Depot ungefähr eine Stunde gelangweilt herumstanden und sich alsbald Andi und ein Kumpel von ihm zu uns gesellten und wir etwas weniger gelangweilt, jedoch mit noch immer geringem Aktions- und Tanzpotenzial herumstanden, füllte sich die Hütte so allmählich und ich lief Gefahr, mich passiv (wohlgemerkt!) mit so einem hochgradig primitiven Typen anzulegen. Der hat sich nämlich so behindert hinter mir kompostiert, dass der mich bisweilen getreten hat. Und dass ich dafür verantwortlich bin, versteht sich ja von selbst... Aber das ist halt so eine Logik, bei denen sich der Blutalkoholgehalt indirekt proportional zum Intelligenzquotienten verhaltend annähert. Ja, so kann das gehen. Aber um die Sache mit dem Intelligenzquotienten mal noch zu unterstreichen: In diesem Depot war es schon ziemlich warm... und dieser Typ hatte tatsächlich einen Pullover an. Okay, von denen gab es viele - Jacke mit Puschelpelzkapuzen und so weiter. Aber irgendwann hat unser Orang-Utan seinen widerlichen grauen Pullover ausgezogen und ich dachte, mich müsse auf der Stelle der Schlag treffen. Unter diesem Pullover hatte er noch einen an! Und es würde mich nicht wundern, wenn er noch mehr angehabt hätte unter diesem Pullover. Andererseits wiederum mag ich solche Leute auch sehr aufgrund ihres hohen Unterhaltungswertes. Man kann so prima über sie lästern... Über unseren Orang-Utan machte ich so Witze wie "Pass auf, gleich fängt er an, sich auf die Brust zu trommeln!" Okay, das ist ein für Orang-Utans eher ungewöhnliches Verhalten, aber Orang-Utan nenne ich ihn auch nur, weil sowohl er als auch Orang-Utans durch ein nicht zu verachtendes Maß von Hässlichkeit überzeugen. Und dann waren da ja auch noch die anderen eher herbstlich gekleideten Menschen. Das Auftreten solcher Personen kommentierte ich für gewöhnlich mit "Huiiii, ist das kalt!", begleitet mit vor der Brust verschränkten Armen und einem imitierten Kältezitteranfall.
Ach so: Die Musik war überwiegend scheiße, aber hin und wieder sind dem DJ dann mal so kleine Ausrutscher passiert, zu denen ich sehr gut abging. Das waren dann so Sachen wie Lady Sovereign mit Love me or hate me. Ertragen habe ich die Musik auch nur mit etwas Alkohol im Blut (keine Untertreibung), weshalb ich auch ein bisschen Bier konsumieren musste. Diese Biere halfen mir dann weiter, wenn meine eigentliche Tanzmotivation versagte: Ich habe 8 Euro dafür bezahlt, dass ich hier dabei sein darf (auch, wenn das ja eigentlich für alle Sachen an diesem Abend als Eintrittsgeld war) , also will ich das auch gefälligst ausnutzen! Und wenn man so ein willensstarker Mensch ist wie ich, dann hält man das schon eine Weile durch, aber auch nicht ewig.
Ungefähr viertel fünf haben wir uns dann wohl vom Acker gemacht, was in diesem Falle nur noch Marei und mich meint, da Kathrin schon weg war und viele andere auch. Marei hat mich dann nach Hause gefahren, wo erschütterlicherweise Licht brannte. Mein Vater war schon wach. Aber ich hatte ja nichts zu befürchten, war ja allerhöchstens angetrunken, wobei sich das auch schon verbraucht haben dürfte.
Eine Wertung des Abends lasse ich an dieser Stelle sein.
Dank an Marei fürs Fahren. Gern wieder. Sowohl Fahren als auch Nachtschicht.