2009-10-15

Budapest – Tag 2


Nachdem ich ein erstes Mal halb sechs erwachte, war jemand anders im Zimmer allerdings noch eher darauf bedacht, noch eine Weile zu schlafen, weil halb sechs ja doch ein bisschen früh war. Und obwohl ich in dem Moment hellwach war, konnte ich mich mit meinem Gewissen darauf einigen, doch noch ein bisschen im vollkommen überheizten Zimmer (wir haben da keinen Einfluss drauf) zu schlafen. Zumindest bis dann viertel vor acht mein Wecker klingelte, dem wir kompromisslos gehorchten: Wir hüpften (– getrennt natürlich –) unter die Dusche und gaben uns ausgiebiger Körperhygiene hin, damit wir das Frühstücksbuffet gereinigt und nach einem Blick aus dem Fenster auch vollkommen desillusioniert aufsuchen konnten. Zu den Männergeschichten diverser Bekannter der Frauen einer vermutlich brandenburgischen, mindestens aber ostdeutschen (das weibliche Kind hieß Patrice) Familie mit irgendwelchem Tanten-Anhang und entschiedenem Frauen-Überschuss genossen wir unser Frühstück ungefähr bis um zehn. Nebenher planten wir unseren Tag zumindest eine Stunde im Voraus: Wir schreiben auf unsere Budapest-Card um elf und gehn noch eine Stunde aufs Zimmer um zu gucken, wo wir hinwollen. Eine wirkliche Entscheidung unser Ziel betreffend konnten wir allerdings erst wirklich fällen, als wir an der Bushaltestelle auf unseren Bus warteten: Die große Synagoge sollte es sein und mit dem kurz darauf ankommenden Bus und meinem wunderbaren Orientierungssinn kamen wir dann irgendwie zu dieser Synagoge, die übrigens die größte in Europa und wohl die zweitgrößte der Welt ist. (Zum Glück ist das keine Seminararbeit. Da muss ich keine Quellen angeben.) Ein netter Mann mit Regenschirm sprach uns an und fragte, ob er helfen könne, woraufhin wir komisch geguckt und irgendwas gefragt haben, woraufhin er uns in zwei Sprachen was über die Preise für den Eintritt zur Synagoge erzählte, woraufhin wir wiederum nicht mehr so komisch guckten und die Entscheidung fällten, eine Führung auf deutsch mitzumachen, die nämlich wenige Minuten später beginnen sollte. Weder zum Gotteshaus noch zur Führung gibt es etwas Besonderes zu sagen. Aber da steht ein interessanter silbern glänzender Metallbaum im "Park" der Synagoge, dessen viele Blätter zahlreiche Namen im zweiten Weltkrieg vermisster Juden tragen. Ergänzend hierzu gibt es noch zahlreiche weitere Namen auf dem Sockel der Baum-Skulptur. Direkt daneben steht ein Denkmal für einen Schweden mit denkbar unschwedischem Vornamen: Raoul Vallenberg – dem ungarischen Pendant unseres Oskar Schindler. Dazu eine Vielzahl von Namen: Vallenbergs Liste, sozusagen.
Im Anschluss an Führung durch und Besichtigung der Synagoge drehten wir noch eine Runde durch das angegliederte Museum, und schauten uns noch ein bisschen das Viertel auf meine Art an: Oh, das sieht interessant aus, da gehts lang! Nach ein bisschen rumlaufen in Kälte und Regen kamen wir auf diese große Straße, die wohl Weltkulturerbe ist und der Oper ein wenig Platz an ihrer Seite einräumt, ansonsten aber eher durchschnittlich ist. Nach ein bisschen Gucken und dem Finden von etwas Glitzerndem an einem Haus, was ich dann erst mal fotografieren musste, meinte meine Schwester, sich irgendwo aufwärmen zu wollen. Die Möglichkeit, die sich zuerst ihr und dann mir in den Kopf zwängte, war das West End: Ein ungefähr riesiges Einkaufszentrum, was im Vergleich zur Alexa in Berlin vermutlich sogar etwas größer, aber auf jeden Fall wesentlich aufgeräumter ist. Irgendwann aßen wir, nachdem ich auf ein Geschäft aufmerksam wurde, weil es echt geile Schuhe im Fenster hatte. Nach dem Essen sollte ich dann auch eine ganze Stange Geld da lassen, denn außer geilen Schuhen gibt es da auch geile Schals und geile Hemden und geile Taschen. Ich habe mich allerdings auf die letzten drei Punkte beschränkt. Nach dem ausgiebigen Einkauf beschlossen wir allerdings, lieber schnell dieses riesige Gebäude zu verlassen, da wir sonst wohl noch in Versuchung kämen, noch mehr zu kaufen. Wir kennen uns da recht gut.
Zurück fuhren wir mit der Metro und mit dem Bus, den wir allerdings erst bestiegen, nachdem ich einen Coffee Heaven ausfindig machte, in den ich fast automatisch lief. Wir stärkten uns mit je einem kleinen Caramel Macchiato und warteten dann auf unseren Bus, der uns sicher zum Hotel brachte.
Von Sicherheit kann man in den Budapester Verkehrsmitteln wohl nicht ausschließlich reden. Der Bus, mit dem wir fuhren (und ich flog sogar teilweise (durch den Bus)) hatte knapp 498000 Kilometer runter. Und das mit dem sanften Bremsen zur größeren Zufriedenheit der Fahrgäste ist wohl auch nur in Deutschland so. Die Fahrtreppen in den Metrostationen sind ähnlich schnell wie die Busse auf den Straßen, wenn sie denn mal freie Fahrt haben. Und da beschwere sich noch mal jemand über Prag!

Und zu guter Letzt seien mal noch die vielen verschiedenen Sirenentöne der Fahrzeuge, die Sirenen zur Verfügung haben, erwähnt, weil die uns nämlich grad auffallen, wie wir hier im Hotelzimmer hocken und den Tag ganz gemütlich ausklingen lassen … Genug erwähnt. Mal schauen, was morgen ansteht. Wir hoffen auf gutes Wetter. Obwohl … Die Hoffnung haben wir schon aufgegeben. Stattdessen hoffen wir eher darauf, dass es einfach mal nicht mehr regnet.

1 Kommentar:

Leifur_Heppni hat gesagt…

aah, dann werde ich wohl in budapest die metro meiden müssen (so ich denn mal dorthin komme) --graus--