2009-10-16

Budapest – Tag 3


Nachdem ich mich kurz belesen habe, wo die Geschichte denn gestern endete, kann ich nun mit den Ereignissen des heutigen Tages und einer Flasche Bier aus der Hotel-Minibar als inspirierendes Mittel fortfahren…


Der Tag begann nach ein paar Stunden Schlaf mit dem Ausschalten des Weckers, bevor dieser überhaupt geklingelt hatte. Allerdings nicht bei mir, denn ohne Wecker wäre ich ja vollkommen aufgeschmissen. Nein, meine Schwester klickte an ihrem Mobiltelefon herum und nachdem ich höflich fragte, was sie denn da mache ("Was machstn du da???") bekam ich Antwort ("Meinen Wecker ausschalten."), was mich annehmen ließ, die Nacht sei vorbei. Deshalb griff ich dann nach meinem Mobiltelefon um auch meinen Wecker auszu… schon fing das Gerät an, meinen Musikmix 2009-09-21 auszuspucken. Ablehnendes Ächzen ließ mich dann nach Erklingen der ersten Töne gegen viertel vor acht annehmen, dass sich meine Schwester unter einem sanften Weckruf und angenehmen Erwachen etwas anderes als die Klänge von Boys Noize und Erol Alkan vorstellte.
Nachdem man sich gesellschaftsfertig gemacht und festgestellt hatte, dass es draußen nicht nass und verregnet war, verließ man guter Dinge das Zimmer wieder in Richtung des angegliederten Restaurants zum Frühstücksbuffet, wo an einem benachbarten Tisch wieder die bereits gestern erwähnte Familie aus dem Osten Deutschlands (meine Schwester ist der Meinung, Brandenburg müsse nicht sein) saß und heute Geschichten über die Krankenhausaufenthalte, Krankheiten und Gebrechen irgendwelcher Menschen aus dem Bekanntenkreis zum Besten gab. Die drei Frauen unterschiedlicher Altersklassen, die am Vortag schon dadurch aufgefallen waren, dass sie ihre eigenen Frühstücksbrötchen mitbrachten, waren wieder anwesend aber ansonsten unspektakulär. Eine allgemeine Planung an unserem Tisch schloss sich ans Essenholen an: Der Burgberg sollte heute erkundet werden. Dabei war ich ja für das Holocaust-Denkmal. Denn Holocaust ist ja immer gut und wird auch aus der Sicht anderer Nationen selten uninteressant. Aber nein, erst mal der Burgberg.
Wie der zu erreichen wäre, durfte ich dann im Anschluss ans Frühstück auf dem Zimmer eruieren und so begaben wir uns schon einige Zeit vor elf Uhr aus dem Hotel in das Abenteuer des örtlichen und öffentlichhen Personennahverkehrs. Sicherheitshalber hielt ich mich mit beiden Händen fest. (Der Bus, mit dem wir heute fuhren, hatte grade erst mal 396000 Kilometer runter, machte aber noch viel eher den Eindruck, bald auseinanderzufallen.) Die Fahrt Richtung Ziel verlief gut bis zum moszkva tér, von dem aus wir mit jeder Buslinie hätten fahren können, die eine 16 enthielt. Der Platz allerdings bietet an ungefähr jeder Seite Bussen die Möglichkeit, abzufahren. So suchten wir erst mal eine Weile und wurden irgendwann fündig, überlegten und diskutierten allerdings noch eine Weile, bis wir uns endlich dazu durchringen konnten, einen Bus (der eine 16 enthielt) zu besteigen und da zu diesem Schloss hochzufahren.
Nach einer erwartungsgemäß rasanten, aber wohl vergleichsweise doch noch relativ milden Fahrt kamen wir dann am Schloss an und haben geschaut und gestaunt und uns fast ein bisschen zu heimisch gefühlt, denn irgendwie kann man nirgends in Europa unterwegs sein ohne auf Deutsche zu treffen. Der Exportweltmeister schafft es eben auch, seine eigenen Leute gut zu exportieren.
Nach dem Schießen einiger Ich-war-hier-Fotos beäugten wir die Sammlung überwiegend außerordentlich depressiver Gemälde, denen es an Farben (so mit bunt und so) fehlte, in der Ungarischen Nationalgalerie. Skulpturen mit kleinen Genitalien in allen Formen und eher weniger Farben gab es da auch zu sehen. Ähm. Ja. Ein paar ziemlich schöne Bilder gab es aber auch. Zum Beispiel die tollste Kreuzigungsdarstellung, die ich jemals gesehen habe. Wenn die jemand sehen möchte, darf er gern hier kommentieren und dann gibts die als Extra-Post. Oder so ein anderes Bild, das was mit Hakenkreuzen und Faschismus zu tun hatte. Meine Schwester verlangte allerdings kurz vor Vollendung der gesamten Kür nach einer Pause und so saßen wir unbeschäftigt im Galeriegebäude auf zwei Stühlen und ich nutzte die Zeit, ein paar Kurzmitteilungen zu schreiben.
Dann kauften wir ein paar Postkarten und wollten eigentlich ein Café suchen, in dem meine Schwester so eine typisch ungarische Kuchenspezialität und ich einen Kaffee zu uns nehmen wollten. Das, was uns am meisten zusagte, war überfüllt und meine Schwester legte eine außerordentlich vehemente Haltung zu Burger King an den Tag. Nach dem Erwerb von sieben Postwertzeichen für Postkarten in einer Postfiliale zogen wir wieder zu diesem moszkva tér und stiegen in die Metro, die uns eigentlich zu dem bereits vorgestern besuchten Zentral-Café leiten sollte, wenn meine Schwester in der Lage wäre, mit so Stadtkarten umzugehen… Nachdem ich mir die nämlich unter den Nagel gerissen hatte, weil sie den Verdacht äußerte, wir seien irgendwie falsch, wusste ich ihr mitzuteilen, dass sie uns in die falsche Richtung geführt hat und ich wies darauf hin, ich wolle nie wieder so Sachen wie in der zurückliegenden Nacht hören. Zu denen schweige ich jetzt aber lieber. War nicht sehr nett.
Wir stellten fest, dass das Café geschlossen hatte und zogen von daher in die von mir sowieso präferierte Kaffeehauskette Coffee Heaven weiter, wo wir unsere zwei (meine Schwester) beziehungsweise fünf (ich) Postkarten mit Adressen, Text und Briefmarken beim Genuss einer heißen (meine Schwester) und einer kalten (ich) Kaffeespezialität versahen.
Anschließend den Heimweg und die Postkastensuche beschließend verließen wir das Lokal und waren so gar nicht hungrig oder bei der Postkastensuche erfolgreich, weshalb ich erst mal die Post mitgenommen habe um sie nach einem kleinen Nachmittagsschläfchen und der Entscheidung, in einem benachbarten Hotel zu Abend zu essen, an der zugehörigen Rezeption abzugeben. Das Essen im János-Restaurant war sehr lecker, die Bedienung multilingual und sehr zuvorkommend.

Wie ich gerade im täglichen Newsletter meiner Schwester an die Familie lese, haben wir wohl auch noch die Fischerbastei besucht, die sich in direkter Nachbarschaft dieses riesigen Schlosses da oben auf dem Berg befindet. Eigentlich recht hübsch anzusehen… Wenn da nicht grad irgendwie so ungefähr alles restauriert wird und dementsprechend alles eingepackt ist. Aber es gab eine tolle Aussicht und man konnte viel gucken. Zum Beispiel dieses Parlamentsgebäude auf der anderen Seite der Donau. Und lauter so andere Sachen, die da so rumstehen.

Das war der heutige Tag, soweit ich mich noch dran erinnern kann und auf dem Bild da oben sieht man … so Sachen vom Burgberg und mich – winterlich verpackt und voller Elan. Mal schauen, was morgen so passiert…

Kommentare:

sie hat gesagt…

Was kann man eigentlich für die Lektorentätigkeit verlangen, wenn man im gerade lektorierten Text öffentlich verunglimpft wurde? *kopfschüttel*

Beliar hat gesagt…

Wer wurde denn hier bitteschön öffentlich verunglimpft? Und wer hat denn hier irgendwas lektoriert? Und wer ist eigentlich SIE???

sie hat gesagt…

Das möchte SIE gern auch mal wissen...

Beliar hat gesagt…

Ich versteh das alles gar nicht! WAH! Mein Kopf! Ich bin doch schon so alt! Und in den letzten Tagen musste ich so viel durch die Gegend rennen, dass ich jetzt schon gar nicht mehr richtig denken kann, sondern fortwährend nur schlafen will!
(Mooooooment... Das ist doch sonst auch so... Äh... <grübel>)

sie hat gesagt…

Na dann, gute Nacht!

Beliar hat gesagt…

Gute Nacht!