Nach dem Aufstehen und Duschen verließen wir das Hotelzimmer zum obligatorischen Frühstück, wurden aber (zum Glück!) nicht mehr von dieser ostdeutschen überfrauten Familie
unterhalten, da diese bereits gestern abreiste. Dafür war aber seit gestern diese vielleicht finnische Familie da. Die hatte eine Mutter, die vermutlich fast blind war und uns an etwas denken ließ, worüber wir ein wenig schmunzeln konnten. (Wir haben uns also nicht über die körperlichen Unzulänglichkeiten Fremder lustig gemacht!) Alles in allem war das Frühstück eher sättigend als unterhaltend und so sollte es ja auch eigentlich sein.
Nach unserem erneuten kurzen Hotelzimmeraufenthalt zogen wir los, uns erneut in das Abenteuer Bus zu begeben. Ich konnte durch die Innenverkleidung in der rechten oberen Ecke ins Freie schauen. Aber mich kann ja kaum mehr was schockieren. Die Dinger scheinen sich ja bewährt zu haben und so gute sozialistische Wertarbeit hält sich halt auch die 30, 40 Jahre. Heute habe ich vorsichtshalber wieder komplett die Führung und Orientierung übernommen, da wir ja gestern gesehen haben, wohin das führt, wenn das mal meine Schwester übernimmt: zur Großen Synagoge. Und da wir aber zum Heldenplatz wollten, wäre das eher unproduktiv gewesen. Also die Busfahrt, dann in die Klapper-und-Quietsch-Metro, umsteigen, zur Metro 2 laufen und feststellen, dass man an der Metro 3 steht (Die hat übrigens auch eine Haltestelle mit "Lehel", was allerdings wohl eher etwas mit
dem Herrn hier zu tun hat…); die Rolltreppe also noch mal hoch, der Ausschilderung etwas genauer folgen und dann zur Metro 2 kommen, die irgendwie ein bisschen merkwürdig ist. Die Linie nimmt sich nämlich aus wie eine zu groß geratene und sowieso viel zu schnelle Trambahn. Dank meiner ausgedehnten Ungarisch-Kenntnisse verstand ich sogar die Ansage und wusste, wann wir raus mussten. Die Ankündigung der nächsten Haltestelle erfolgt übrigens mit einer einleitenden Melodie, die zwar sehr ohrwurmtauglich ist, aber durch die antiken Lautsprecher gar nicht mehr so schön klingt.
Da war er dann also: der
Heldenplatz. (Auf dem tagesaktuellen Bild mit einem Touristen vermutlich deutscher Herkunft und außerordentlich unordentlicher Frisur zu betrachten.) Das muss man sich vorstellen wie … na ja … eine Mischung aus Siegessäule und Petersplatz vielleicht. Da ist eine riesige Säule, auf der der allseits bekannte Gabriel steht und dahinter in so einer quasi halbkreisförmigen Anordnung lauter so andere bestimmt sehr wichtige Menschen. Wer sich das ähnlich schwer vorstellen kann wie ich, sollte noch mal da oben auf "Heldenplatz" klicken.
Anschließend machten wir das Stadtwäldchen direkt hinter dem Heldenplatz unsicher und stießen auf ein paar wunderschöne Bauwerke, die meine Schwester ebenso wunderschön recherchiert hat: Vajdahunyad-Burg. Da wurden romanischer, gotischer und barocker und so ein renaissance-istischer Stil nebeneinander gesetzt und mit dem
Madagaskar Landwirtschaftsmuseum versehen.
Ein kurzer Spaziergang durch das Wäldchen schloss sich an und man entschied, das am Vortag bereits aus der Ferne bestaunte Parlamentsgebäude aufzusuchen. Nach einem kurzen Blick auf die Karte führte ich uns auch dort ganz problemlos hin. War halt mal nett anzusehen.
Und verrückt ist ja eigentlich, dass man ein so beeindruckendes und hübsches Gebäude einfach durch die Häufung einzelner Bauelemente in unterschiedlichen Größenordnungen erschaffen kann.
Ebenso beeindruckend ist ja auch das Wetter: Das war bis zu diesem Zeitpunkt ziemlich angenehm und stabil: reguläre neun Grad und ein wenig Wind. (Meine Frisur saß.) (Ganz komisch irgendwie.) (Aber sie saß!) Dann begann es ein wenig zu regnen und wir überlegten uns, ob es denn nicht für meine Schwester an unserem letzten Urlaubstag doch mal noch eine Gelegenheit wäre, eine typisch ungarische Süßspeise zu sich zu nehmen. Spontan drängte sich uns wieder das Zentral-Café auf, das sich überraschenderweise zur Mittagszeit als überaus gut gefüllt erwies. Und auch ein anderes Café (Gerbeaud) machte einen sehr beliebten Eindruck. Nach ein bisschen Rumgezicke beschloss ich mit großer Sicherheit und Vehemenz für die gesamte Menschheit, den Rückweg zum Hotel anzutreten. Eine spontane Planänderung ergab sich allerdings, als ich das Café "anna" auftat, weshalb wir zwei uns ein wärmendes Heißgetränk und meine Schwester allein sich ihren Gundel(!)-Palatschinken gönnte, während halt der Rest der Welt zum Hotel zurückkehrte.
Nach dem relativ kurzen Aufenthalt im Café "anna" kehrten wir wirklich zum Hotel zurück, wo uns mal wieder eine neue Rezeptionistin in Empfang nahm, die irgendwie von der "fourteen" ein bisschen überfordert war. Die versuchte zuerst einen Schlüssel aus dem potentiellen vierten Stock zu greifen, musste dann aber feststellen, dass dieser weder auf dem Schlüsselbrett, noch wohl im Haus existierte. Grooooooße Verwirrung! Nachdem ich sie dann langsam zum Schlüssel führte, konnten wir auch endlich unser Zimmer betreten und uns über diese
Person totlachen. Okay, eher so halb, denn sonst könnte ich das hier nicht mehr schreiben und sonst hätten wir auch nicht noch mal in das bereits gestern erwähnte Restaurant János gehen können, das heute aufgrund einer privaten Veranstaltung nur noch halb so groß war. In der Hoffnung, wir (meine Schwester) würden noch einen ganzen Haufen unseres Geldes loswerden, versuchten wir uns ausgiebig satt zu essen und konsumierten mehrere Getränke. Den Preis des gestern konsumierten Essens konnten wir trotzdem nicht überbieten. Komische Angelegenheit.
Auf dem Weg zurück in unser Hotel fragten wir uns, ob uns das Hotelpersonal wohl für ein jung verheiratetes Paar (wegen des identischen Nachnamens) halten mag, beschlossen aber, dass es uns recht egal ist.
Und jetzt! Jetzt ist es ungefähr soweit, dass wir unsere Taschen packen, denn morgen gegen halb elf kommt unser Busshuttle, der uns zum Flughafen Budapest-Ferihegy fliegen soll. Aber das wäre ja jetzt eine
Prolepse und so etwas vermeidet man für gewöhnlich in Geschichten, die noch nicht komplett durchdacht, geplant und geschrieben sind.
Also packen wir jetzt mal weitestgehend unsere Taschen und wünschen eine gute Nacht.
Morgen kommt dann der vermutlich vorletzte Teil der großen Berichterstattung zu diesem Budapest-Urlaub.