2010-02-04

InterProMetaAnaTelo

Es ist schon ein bisschen verrückt… Was man zum Abitur und in der Zeit davor nicht so alles gelernt hat, was einem dann beim Lernen im Studium wieder hochkommt. Vollkommen kontextlos. Gerade eben machte ich einen kleinen Spaziergang mit mir und meinen Gedanken um den Block, hörte unter meinen Füßen mal Streukiesel knirschen, mal den gefrorenen Schnee auf gefrorenem Eisgrund. Versehentlich plätscherte es sogar auch mal, denn ich trat in eine Pfütze, was an dieser Stelle nicht weiter von Belang sein soll.

Jedenfalls geht es mir momentan so, dass ich mich erstaunlich gut an so manche Sache aus der Schulzeit erinnern kann, die ich heute in meinem Studium entweder habe über den Haufen werfen dürfen – was vor allem in der Germanistik der Fall ist –, oder aber mittlerweile so entsetzlich uninteressant geworden ist.
Die Zellteilung einfacher Körperzellen erfolgt in viereinhalb Phasen: Die Interphase (die nur halb zählt, weil da eigentlich nicht viel passiert), die Prophase, die Metaphase, die Anaphase und die Telophase. Bei Geschlechtszellen passieren danach noch mal fast alle Phasen. Mit ein bisschen Nachdenken kommt man sogar darauf, was in den einzelnen Phasen passiert. Hat was mit einer Kernmembranauflösung, Verdopplung des Erbgutes, Äquatorialebenen, den Zellpolen, Abschnürungen und so Kram zu tun.
Jedenfalls kann ich dieses Wissen (ebenso wenig wie das Wissen um die weibliche Menstruation und deren hormonelle Hintergründe) weder in der Germanistik noch in der Phonetik anwenden. Und die Phonetik ist es, für die ich gerade so intensiv lerne. Da ist wenigstens noch so ein bisschen Wissen über das Verhalten von Federn mit Massestücken, das mich beim Masse-Feder-Modell unterstützt, aber sonst ist da nicht viel. Ich hätte mich außerdem gefreut, wenn etwas mehr über die Reizweiterleitung hängen geblieben wäre: Aktionspotentiale, Ladungsausgleich, Synapsen, Axone und so weiter.
Eigentlich ist das ganze doch ein bisschen verrückt. Ich könnte weitere Beispiele anfügen: Die Dunkelreaktion bei der Photosynthese, Mykorhizen und lauter so wüstes Zeug. Hilft mir aber auch bei der Quelle-Filter-Theorie nicht weiter.
Und da frag ich mich doch, warum das alles noch in meinem Kopf drin ist und der Stoff, den ich in diesem Semester gelernt habe, als gefährliches Halbwissen herumgeistert. Zahlreiche Folien wollen durchgesehen, verstanden und erklärbar gemacht werden. Im Idealfall natürlich mit eigenen Worten.

Eine Pointe fehlt an dieser Stelle. Von daher sei hier auf das Leben verwiesen: Wie oft hat man schon kopfschüttelnd vor diesem und jenem Sachverhalt gestanden und inständigst auf eine Pointe gehofft? Man kennt das ja: "Das ist doch wohl ein Scherz!" Und oft genug heißt es: "Nein, das ist das Leben." Man bekommt auf einem Silbertablett geliefert: den Sachverhalt, der den Kopf in der Horizontalen in Bewegung geraten lässt, enttäuschte Hoffnungen, keine Pointe. Am besten noch eine Rechnung für das Silbertablett. Dabei hat man schon so viele davon daheim und musste feststellen, dass es nicht wirklich komplett silbern ist. Eine galvanische Zelle wurde genutzt um einen popeligen anderen metallenen Grundstoff zu veredeln.

Was bleibt?
Ein weiteres Ein-bisschen-Silber-Tablett, mit dem man nichts anfangen kann; eine Nacht, die zum Schlafen genutzt werden sollte; ein Haufen Zeug zu lernen; Mitose-Kenntnisse, die zu nichts führen und wirre Gedanken.
Wir danken.

Keine Kommentare: