2010-12-29

Großer Jahresrückblick 2010

Nachdem ich nun – einer längeren Zugfahrt zum Dank – mal wieder etwas mehr Zeit habe, etwas zu schreiben, möchte ich diese Gelegenheit nicht ungenutzt lassen und mich an einem kleinen Jahresrückblick versuchen, der im ICE 1517 von Hamburg nach München verschriftlicht wird. Als einzige Hilfsmittel dienen mir mein (zugegebenermaßen recht miserables) Gedächtnis und ein übervoller Terminkalender des bald hinter uns liegenden Jahres 2010, das mit Tränen der Trauer und Verzweiflung begann und allenfalls mit Tränen der Freude vergehen wird. Ereignisreich war dieses Jahr, das kann ich euch sagen. Es begann in meiner Heimatstadt Dessau und wird in Österreich enden, meinem einzigen Auslandsaufenthalt in diesem Jahr. Ich habe viele Menschen kennengelernt, von einigen habe ich nichts mehr gehört, viele habe ich wiedergesehen und ein paar haben mich sogar verlassen. Es gab viele Feste zu feiern, noch mehr Partys zu besuchen und überhaupt gab es immer einen Grund zu dem einen oder anderen Umtrunk in einer geselligen Runde.

Im Januar hatte ich – nachdem ich beschlossen hatte, dass Arbeit bei einer gut überteuerten Wohnung doch mal wieder ganz angebracht wäre – das eine oder andere Vorstellungsgespräch, was bei einer Firma der Stadt München sehr erfolgreich verlief, was zu einem Anruf führte, in dem der Satz fiel „Und da würden wir Sie ganz gerne einstellen“, auf den ich antwortete: „Da hab ich jetzt so spontan kein Problem mit.“ Und jetzt bin ich seit dem 11. Februar offiziell Parkhausaufsicht. Im Januar kündigte ich auch jene überteuerte Wohnung in München-Nymphenburg relativ hoffnungsvoll, naiv und nur halb überlegt, traf mich mit Frank, der ebenfalls danach trachtete, aus seiner WG auszubrechen, wurde irgendwann zu dritt, als auch Käi aus ihrem Münchner Outback ausbrechen wollte, und schauten uns einige Wohnungen an und fanden, nachdem wir schon einen etwas aufreibenden und erfolglosen Wohnungsbesichtigungstag hinter uns hatten, inmitten widrigster Umstände, eine Wohnung, die nach deren Besichtigung schon gar nicht mehr so weit draußen, in schlechter Lage und überhaupt irgendwie blöd war. Bezogen wurde diese dann am 1. Mai, aber das war jetzt alles eine etwas weit vorausgreifende Prolepse, denn zuerst kommt noch mein Geburtstag, den ich dieses Jahr im Auto und in Weimar verbrachte. Ich überlegte mir nämlich, dass ich zu meinem Ehrentag etwas machen will, was mir Spaß macht. (Wer will das nicht? „Ich will was machen, was mir Spaß macht!“) Und da mir da spontan nur Autofahren eingefallen ist, musste (mal wieder) ein Mietwagen her und ich reiste nach Weimar, wohin mich die gute Hannah eingeladen hat. In der Nacht auf meinen Geburtstag erhielt ich noch von einem Einheimischen eine interessante Stadtführung, einen Anruf aus München, einige Kurzmitteilungen und Einblicke in eine Stadt, die noch viel dörfischer ist als München.

Das zweite Quartal wurde eingeleitet durch die große Monk-Präsentation, wo Martin Monk auch seinen ersten Live-Auftritt hatte. Begleitet wurde ich von Roman und Frank, die beide mindestens genauso viel Gefallen an der ganzen Veranstaltung fanden wie ich. Das verkündete Jahresendziel von 4000 Abonnenten auf dem neu eingerichteten YouTube-Kanal wurde schon vor Monaten erfüllt, was mir zeigt: Qualität setzt sich durch. Irgendwann Anfang April setzte ich mir auch schon in den Kopf, ein Gewerbe anzumelden, einen neuen Ausweis zu beantragen und endlich eine neue Digicam zu kaufen, nachdem meine alte ja im vergangenen Jahr in Prag den Geist aufgab. Dann haben mich allerdings Studium, ein Sonderauftrag und die Arbeit so sehr in Beschlag genommen, dass ich beschließen musste, dass eine Digicam nicht so notwendig, ein abgelaufener Ausweis kein (gar zu großes) Verbrechen und ein Gewerbeschein auch eher eine Deko ist. Nur zwei Wochen nach unserem Umzug in die neue Wohnung in München-Giesing habe ich dann bei einer allgemeinen Polizeikontrolle feststellen dürfen, dass ein abgelaufener Personalausweis zwar wirklich kein Verbrechen, immerhin aber eine Ordnungswidrigkeit ist, die mit einem Verwarngeld in Höhe von zehn Euro geahndet werden kann. Da steht man mal in der U-Bahn-Station Sendlinger Tor um sich vor dem blöden Regen zu schützen, der im Rahmen des Ökumenischen Kirchentages die Stadt beehrte, mit einem Kaffee in der Hand und wartet auf jemanden und denkt sich nichts Böses, da stehen auf einmal fünf Polizisten um einen herum und wollen blöde Sachen mit einem machen. Aber über diese Aktion habe ich mich schon zur Genüge aufgeregt, weshalb dieses Ereignis an dieser Stelle auch nur eine Randbemerkung sein und bleiben soll. (Was hab ich mich aufgeregt!)
Nun ja, der Mai ging recht ereignisfrei aber immerhin noch recht schneereich über die Bühne. Ich meine mich nämlich erinnern zu können, dass zu unserem Umzug am 1. Mai noch eine Menge Schnee auf den Baugerüsten am Haus lag. Als dann Anfang Juni noch meine Schwester umzog, hatte auch endlich der Sommer in Deutschland Einzug gehalten und verwandelte meine ursprünglich nur halb-randlose Brille in eine halb-randlose und halb-glaslose Brille. Blöde Geschichte. Kommt mich noch teuer zu stehen, diese neue (ganz-randlose) Brille. Und nachdem sich schon meine alte Brille verabschiedet hatte, begannen auch die ersten Menschen, sich zu verabschieden. Die ersten zog es nach Berlin... Gefeiert wurde ausgiebig und feuchtfröhlich am Flaucher, weil einfach das Wetter sehr dazu eingeladen hat. Jaja, das Wetter. Das lud auch dazu ein, die folgende Woche in Sonnenschein, guter Gesellschaft und dem Feringasee zu ertränken. Und wenn das Wetter schon mal so schön ist, steht man auch gern mal fünf Stunden geschäftig in der prallen Mittagssonne und lässt sich den Sonnenbrand des Jahrhunderts in den Nacken brennen. Ich würde meinen Status als “gut durch – nicht zu knusprig, nicht zu lasch“ beschreiben wollen. Böse Zungen behaupteten, meine Haut hätte sogar Blasen geworfen.

Und auf einmal stand dann auch schon der Juli vor der Tür, der nicht minder schön und sonnig wurde. Auf dem MELT!-Festival sah ich einige bekannte Gesichter und mit meinem Pressepass sogar die VIP-Lounge und den einen oder anderen Künstler. So habe ich mich zum Beispiel kurz mit Afasi von Maskinen unterhalten. Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass mich dieses Jahr Roman und Bene in den Osten begleiteten, wobei sich vor allem Roman wie ein kleines Kind über das MELT! und alles freute. Alles in allem kann ich über das MELT! auch nicht mehr Worte verlieren als unbedingt nötig wäre. War – wie jedes Jahr – ein wahnsinnig gutes Festival und die Investition (ähm... Gästeliste?) hat sich sehr gelohnt. Mitte August schloss sich dann noch ein Festival an, das für mich nur durch das berühmt-berüchtigte Koma-Saufen hätte erträglich werden können. Die haben mich alle auf Ostdeutsch angeredet und ich habe unter der Musik schon fast gelitten wie ein dreibeiniger Hund, der noch zu allem Überfluss in eine Bärenfalle getreten ist. Okay, der Auftritt von Proxy und ein paar wenigen anderen Künstlern haben das Ganze dann doch noch halbwegs erträglich und lohnenswert für mich gemacht. Und im Anschluss habe ich ja noch zwei alte Schulfreunde getroffen. Jaja, immer dieser Osten. Aber auch dieses Festival hat mich nichts gekostet, wenn ich auch sagen muss, dass die 40 Euro durchaus zu verkraften gewesen wären. Offizieller Pressevertreter muss man eben sein. Ja und dann kam noch ein Festival, das allerdings so gar nicht wünschenswert und schön verlaufen ist, wie ich mir das vielleicht gewünscht hätte. Und mit mir zwanzigtausend andere Menschen, die sich über alle Maßen auf zwei große Namen gefreut haben: Fatboy Slim und 2manydjs. Die Rede ist natürlich vom Berlin Festival, das vor allem vor dem Hintergrund der Loveparade-Katastrophe in Duisburg in Absprache mit der Berliner Polizei schon am ersten Abend abgebrochen werden musste, was primär zu ein paar sehr wütenden Festivalbesuchern in der Halle und sekundär zu vielen verbitterten Reaktionen führte. Tags drauf gab es dann einen nicht nur geringfügig veränderten Zeitplan, denn schätzungsweise die Hälfte der Acts fand nicht mehr statt und das Festival wurde in Insiderkreisen spontan zum Berlin Failstival umbenannt.

Im Endeffekt kann man sagen, dass der Rest des Jahres dann doch ganz gut in Arbeit und Studium untergegangen ist, dass ich an dieser Stelle nur noch die Glanzlichter hervorheben möchte: Ich kam Anfang Oktober in den Genuss meines Geburtstagsgeschenkes von meiner Schwester: Dieter Nuhr live im Zirkus Krone. Kurz drauf sah ich mit Frank in der Theaterfabrik in München den guten Herrn Anders Trentemöller, der mir wesentlich besser gefiel, als er noch allein und ohne Band auf der Bühne stand. Dann gab es noch die Jugendmedientage, die mich um einiges schlauer und informierter machten, einige neue Menschen kennenlernen ließen und mich mal wieder bestätigten, dass es irgendwie schön ist, in München zu leben.
Dann wurde ich noch als vermeintlicher Schwarzfahrer in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit enttarnt, da ich es versäumte, meine Verlängerung der Kundenkarte (ein geradezu winziger Schnipsel, der aus den Studienpapieren auszuschneiden ist) in derselben fehlte. Na ja, auf die fünf Euro konnte ich gut verzichten, geärgert hat mich bloß der unnötige Weg und die Tatsache, dass ich angeben musste, dass ich nur bis zum Kieferngarten fahren wollte (obwohl ich ja bis nach Fröttmaning musste), wo ich dann tatsächlich die U-Bahn verlassen habe, weil die Kontrolleure mich erst kurz vorher aufgabelten. Hat halt den Grund, dass meine Monatskarte nur bis zum Kieferngarten gilt und ich mich ja sonst noch selbst gewissermaßen angezeigt hätte, wenn ich zugegeben hätte, dass ich eine Station wirklich schwarzfahre. Und das muss dann ja auch nicht sein.
Nach zwei Polizeikontrollen in zwei unterschiedlichen Städten (Augsburg und Ingolstadt) wusste ich dann doch irgendwie wieder unsere Münchner Polizisten etwas mehr zu schätzen und obwohl diese Kontrollen beide irgendwie unangenehm waren, freute ich mich beide Male über meinen Beifahrer, der mir die Situation wesentlich erträglicher gestaltete. („Du, das sieht nicht nach Standard-Beleuchtung aus. Ich glaube, das ist wirklich schon wieder die Polizei.“)

Als ganz besonderes Glanzlicht am Ende des Jahres 2010 möchte ich das Kennenlernen und Treffen eines ganz besonderen Menschen erwähnt wissen, bei dem in Österreich ich den Jahreswechsel feiern werde. Was aber die Zukunft noch so bringen wird, das vermag ich nicht zu sagen. Fakt ist jedenfalls: Komme was da wolle, wenns passt, dann passts und wo ein Wille, da ein Weg; wer will noch mal, wer hat noch nicht und suchet, so werdet ihr finden; und wer nicht sucht, der hat schon gefunden oder will gar nicht.

In diesem Sinne entlasse ich alle Freunde und Fans in ein buntes Jahr 2011, das allen Erfolg und schöne Aussichten bescheren möge.

Es grüßt herzlichst,

euer Beli

Kommentare:

Sie hat gesagt…

Ein sehr ausführlicher Rückblick... Ehre dem Terminkalender und dem, der alles für ihn Wesentliche darin vermerkt... :-))

Dir alles Gute für das neue Jahr!

bamina hat gesagt…

wow beli, das nenn ich mal nen jahrerückblick! sehr schön! :)
ich wünsch dir eine wunderschöne party in österreicht und ein gaaaanz erfolgreiches neues jahr! :)

Die da drüben hat gesagt…

Ich weiß nicht mehr, wie genau ich auf Deine Seite gekommen bin - aber es war phänomenal den Jahresrückblick zu lesen.. ganz großes Tennis. Mag Deinen Stil. Wollte ich mal gesagt haben. Grüße aus der Hauptstadt.