2011-09-21

No Private Life

Eine Freundin von mir, die Fotografin Käthe deKoe, hat auf Facebook ein Fotoalbum, dessen Titel mittlerweile meinem Leben mehr ähnelt als jemals zuvor: No Private Life.


Was ursprünglich als eine Art Experiment gedacht war, um herauszufinden, ob ich noch dazu in der Lage bin, ein halbwegs seriöses Leben zu führen, rundet meinen allgemeinen Alltagswahnsinn nun ab: Während ich vor dem Beginn meines Praktikums fast ausschließlich am Wochenende gearbeitet habe, arbeite ich mittlerweile fast in Vollzeit von Montag bis Freitag und nehme darüber hinaus noch meine sämtlichen Verpflichtungen am Wochenende wahr, die zuvor auch schon da waren. Das hat den Effekt, dass es mir meine Terminkalender (ja, ich habe mehrere)  nicht erlauben, an irgendeinem Wochenende mehr die Stadt zu verlassen um einen Freund zu besuchen, der mittlerweile am Bodensee lebt. Und das bis in den November hinein.
Meine Schwester beschrieb es am vergangenen Wochenende, als ich ihr einen Termin für einen Tierparkbesuch habe einräumen können, so, dass man meinen könnte, sie würde es als kritisch erachten, wie viel ich arbeite: "Du lebst aber auch auf hundertzwanzig Prozent." Ich konnte ihr nicht widersprechen.

Was macht man denn nun aber eigentlich, wenn man ständig am Arbeiten ist und das Gefühl bekommt, man hätte kein eigenes Leben mehr? – Klar, man nimmt sich mitten in der Nacht Zeit für sich selbst; man vergibt Termine an Freunde und Familie, damit auch das Soziale nicht zu kurz kommt; man trifft spontan fremde Menschen aus dem Internet, damit man sich in dem guten Gefühl baden kann, auch noch Leute kennen zu lernen, die weder etwas mit der einen, noch mit der anderen, noch mit irgendeiner anderen anderen Arbeit zu tun haben. Man nimmt sich zum Beispiel die Zeit, einen eigentlich ganz anderen Blogpost zu schreiben als den, den man vor Wochen schon im Kopf hatte...
Und am Wochenende, nach der Arbeit, wird gefeiert um feststellen zu können, dass man durchaus noch Spaß haben kann...

Aber genug der Klage. Immerhin soll mir dieses Praktikum auf längere Sicht ja auch etwas bringen. Denn ich bin keiner von den "neuen" Praktikanten, die nach einem abgeschlossenen Studium in einem Unternehmen ausgebeutet werden wie Legehennen in einer Batterie, damit sie erste Berufserfahrungen sammeln können (dürfen?). Nein, ich bin noch einer von den "alten" Praktikanten, die ein Praktikum machen, damit sie einen Einblick in den entsprechenden Beruf bekommen.
Dass es diese neue Form des Praktikums offensichtlich mittlerweile unter Ausschluss anderer Möglichkeiten zu geben scheint, bestätigt mir die häufige Frage, "als was" ich denn ein Praktikum mache... Die etwas unpräzise, aber dennoch korrekte Antwort auf diese Frage wäre eigentlich "Praktikant". Aber ich weiß ja, was die Menschen eigentlich wissen wollen, und antworte demnach: "Richtung Veranstaltungskaufmann..."
Und wenn alles glatt läuft, kann ich im Anschluss an dieses Praktikum ein weiteres zu Beginn des nächsten Jahres anschließen und in meinem momentanen Betrieb ab September eine Ausbildung anfangen. Aber das ist alles noch fern tönende Zukunftsmusik ohne klar erkennbare Melodie.

Bleibt abschließend noch zu erwähnen, dass meine liebe Mitbewohnerin dazumal den folgenden Witz brachte: "Ich habe ein neues Berufsziel: Burn-out mit 40." Wenn ich so weitermache wie jetzt, dann schaffe ich das vielleicht schon mit 22.
In diesem Sinne verabschiede ich mich in die Nacht (die übrigens in sechs Stunden schon wieder endet) und gelobe Besserung, was die Frequenz neuer Einträge in diesem früher so pfleglich behandelten Blog angeht!

1 Kommentar:

Sie hat gesagt…

noJuhu, endlich mal wieder ein neuer Post... :-))
Das mit dem Burn Out war auch mein Gedanke - zumindest, wenn dies ein Dauerzustand werden sollte. Allerdings war Dein Leben schon immer etwas schneller... :-)
Pass auf Dich auf!