2011-10-24
Eine kurze Recherche hat ergeben, dass der Herbst dieses Jahres am 23. September begonnen haben soll. Vielleicht hat er das ja auch. Aber dass sich diese komischen Jahreszeiten selten an irgendwelche Termine halten, ist uns ja gemeinhin bekannt. Angefangen hat diese ganze Herbstgeschichte wohl dann tatsächlich erst mal vor ein paar Wochen, Anfang Oktober. Zum Oktoberfest war es doch noch verhältnismäßig hübsch, sonnig und angenehm. Mittlerweile kann man das allerdings nicht mehr behaupten: Kalt ist es geworden und nachts frostet es schon Pflanzen und Böden zu. Und Menschen (wie ich), die des Nachts unterwegs sind (die anderen natürlich auch), haben längst ihre Wintersachen wieder aus dem Schrank geholt. Oder wo auch immer normale Menschen ihre Kleidung für diesen mittlerweile ungefähr ein halbes Jahr (November bis März) anhaltenden Winter in dem kurzen Zeitraum zwischen Frühling und Herbst verstauen, der der Beschreibung Sommer vollkommen spottet. Ich für meinen Teil ... Ach nein, das wäre nur peinlich zu erzählen, wo ich meine dicken Jacken aufbewahre...
Worauf ich jedenfalls hinaus will: Ist euch schon einmal aufgefallen, dass der Topos des Herbstes nicht nur in der Literatur, sondern auch allgemein mit Tod, Verderbnis und Zerfall fest verknüpft ist? Wenn man sich jetzt mal auf den Straßen umschaut, dann ist das ein bisschen verständlich: Die Bäume ziehen sich erst bunt an, um sich kurz drauf ziemlich nackig zu machen. Und so bleiben sie dann auch ein halbes Jahr, bevor sie wieder grün und weiß und allgemein blütenfarbig werden. Nervt ja auch ein bisschen. Immer dieser Pessimismus und das deutschtypische Jammern und Klagen über das Wetter...
Gehen wir die Sache doch mal total optimistisch und naturalistisch-fröhlich an:
Begrüßen wir doch mal einen minimalistisch-kahlen Winter und erfreuen uns an diesem Herbst, der immerhin noch milder ist als das, was da mit Sicherheit auf uns zukommt. Erfreuen wir uns am gelben und roten Laub auf den Straßen und wundern uns über das Fehlen von so ebenfalls schönen Farben wie Blau und Rosa. Betrachten wir die Zugvögel, die ihre Sachen gepackt haben um dahin zu fliegen, wo es warm ist; verlieren uns in einem milden Fernweh und der Hoffnung, dass es irgendwann auch wieder warm wird.
Jaja, diese Zugvögel ... Die machen es richtig ... Hauen einfach ab. Wir bleiben aber hier, drehen irgendwann die Heizung auf, ziehen uns warm an und winseln, wenn uns der kalte Wind ins Gesicht schlägt, die Mimik einfriert, die Zehen taub werden und die Finger steif gefroren sind. Und schon sind die ganzen schönen optimistisch-heiteren Naturbetrachtungen wieder hinfällig.
So etwas kommt vor.
In diesem Sinne wünsche ich allen einen erträglichen Herbst. Sucht mal nach blauen Blättern!
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