2011-11-29
Ich komme mir vor wie der König der Asozialen: Abends sitze ich
mit einem Bier und einer Schachtel Zigaretten in der Nähe meines
Arbeitsplatzes auf einer Parkbank an der Isar; trinke und rauche. Ich
schreibe mich selbst auf die Gästelisten diverser Konzerte, besuche
diese auch, nur um nicht nach Hause zu müssen. Dorthin, wo die
Probleme auf mich warten.
Im Moment geht alles drunter und drüber. Alles läuft aus dem
Ruder und das Zuhause könnte genauso gut eine einfache Matratze in
einem beheizten Raum mit Strom und Internetanschluss sein. Daheim
sind die Probleme. Wenn ich da draußen
bin, ist alles okay. Ich habe mir meine eigene kleine, sorgenfreie
Burg gebaut, wo ich die Probleme und Sorgen auf Distanz halten kann.
Diese Burg ist da, wo ich arbeite; und ich bin gerne da, weil mich
die Burg viel zu gut verdrängen lässt. Denn meinen Problemen
stellen – das kann ich nicht. Diese Burg gibt mir Sicherheit, und
wenn ich hinaus schaue, zweifle ich an mir selbst. Es ist das alte
leidige Thema. Dagegen etwas zu unternehmen fehlt mir die Kraft und
die Zeit. Immer auf dem Sprung, immer irgendwo, immer am Arbeiten.
Irgendwann kommen Katapulte,
Belagerungswaffen und die ganze Batterie an Unerfreulichkeiten und
meine Burg stürzt ein. Und dann bin ich gezwungen, der Wahrheit ins
Auge zu sehen. Und das beheizte Zimmer mit Strom und Internet in
Anspruch zu nehmen, erscheint auf einmal sehr vernünftig.
Früher oder später ist das so.
Früher oder später. Wenn alles
zusammenfällt.
Früher oder später.
Jetzt?
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