2012-02-10
Aus einer spontanen Laune heraus und einer peripheren Einladung folgend, habe ich heute den Weg ins allseits bekannte Muffatwerk gefunden um mir den ersten Tag des Kurzfilmfestival "der jungen Szene" anzuschauen und mich gegebenenfalls auch ein wenig inspirieren zu lassen.
Ich möchte an dieser Stelle gar nicht schreiben, wer da alles veranstaltet, gefördert, mitgewirkt, unter die Arme gegriffen und Geld reingesteckt hat, sondern meinen persönlichen Eindruck wiedergeben. Denn irgendwie war dieses Flimmern & Rauschen etwas recht Ungewohntes und hat mir im Allgemeinen von daher schon mal ziemlich gut gefallen. Wenn ich mich auch gefragt habe, was jetzt konkret dieser Untertitel sollte ... DAS Filmfestival DER jungen Szene ... Klingt ja schon ein bisschen so, als gäbe es auch eine Seniorenszene, die ihr eigenes Festival hat. Aber das kommt vor ...
Der Abend jedenfalls war in vier Blöcke unterteilt, deren zwei Stunden jeweils mit acht Kurzfilmen und recht unterschiedlichen moderativ-kommunikativen gefüllt wurden. Das Hauptaugenmerk lag natürlich auf der Vorstellung der Filme. Im Anschluss an diese wurden dann die anwesenden Mitwirkenden an den Filmen auf die Bühne gebeten, damit sich die Moderatoren (für jeden Block ein anderes Moderatorenpaar) kurz mit ihnen unterhalten und Fragen stellen konnten. Das bringt mich auch gleich mal auf diese Moderatoren zu sprechen:
Ich hab keine Ahnung, wo die herkamen, aber ehrlich gesagt war da ein Paar schlimmer als das andere. Und dabei muss ich einräumen, dass die ersten beiden Paare – so jung und vermeintlich unerfahren sie auch gewesen sein mochten – noch am authentischsten und sympathischsten waren. Vermutlich, weil sie so jung und unerfahren waren. Aber später wurde es dann doch immer merkwürdiger. Da sprang man mit Anlauf über Trampolins auf einem großen Sprungbrett in Fettnäpfchen, verwirrte sich selbst mit den eigenen Fragen und Formulierungen, übertrug diese Verwirrung auf die befragten Filmemacher und der Zuschauer durfte sich an mindestens zwei Stellen (insgesamt, nicht pro Block!) ein wenig fremdschämen. Aber das gestaltet das Ganze doch auch etwas menschlicher ...
Die Filme jedoch haben mich irgendwann dann doch ziemlich überrascht. Ich habe mir ja wirklich das ganze Programm von 16 Uhr bis Mitternacht (mit ein paar Ausnahmen) gegeben. Unter anderem deshalb, weil ich den Film "Schmutzige Wäsche" allein von der Beschreibung her unbedingt sehen wollte. Den kann man sich übrigens HIER anschauen, weil er von Regisseur Fabian Prager, der übrigens mit insgesamt drei Filmen an diesem Abend am Start war, freundlicherweise online zur Verfügung gestellt wird. Ich wurde nicht enttäuscht, denn der Film war angenehm unterhaltsam und dramatisch. Daumen nach oben.
Einen großen Daumen nach oben gibt es übrigens auch für den Film "Vis-á-Vis", dessen Projektseite von n-ten man sich HIER zu Gemüte führen darf. So ziemlich der einzige Film, der das übrigens recht spärlich vorhandene Publikum so richtig zum Lachen brachte, ließ auch mich über die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen plumpem Jungbauern und hipsterigem Pariser lachen. Schaut euch mal zumindest den Trailer an. Es lohnt sich auf jeden Fall!
Auch irgendwie beeindruckend war der Film "clash" von Kai Sitter, zu dem man sich einen (zugegebenermaßen etwas knappen) Trailer HIER anschauen darf. Wir haben es hier mit zwei jungen Menschen in der Münchner U-Bahn zu tun, die nicht reden. Der Film dreht sich einfach nur um ihre Gedanken über den jeweils Anderen: Deutsches Mädel, türkischer Kerl. So vom typischen Macho-Schlag halt. Oder vielleicht auch nicht. Kann ja hier nicht alles verraten ...
Zu den anderen Filmen möchte ich kurz zusammenfassend sagen: Teilweise leider, aber irgendwie auch verständlicherweise, eher so Amateurfilme, die so mancher YouTuber besser macht, teilweise aber auch echt eine gute Idee, aber die Welt ist nicht bereit. Oder eben die Verantwortlichen für den Film. Das fand ich besonders zutreffend bei den folgenden Filmen:
"Tangente" von Julius Grimm, der irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes war, dafür aber tolle Bilder und eine ziemlich verstörende Stimmung lieferte.
"Geschwisterherzen" von Mariko Minoguchi, den ich persönlich viel zu verstörend-inzestuös fand, als dass er für mich gut gewesen wäre. (Trailer HIER)
"Vor zwei Tagen" von Jonas Pflaumer, der zwar selber sagte, dass er den Film auf diesen einen Moment verdichtet hätte, aber es irgendwie leider total versäumt hat, einen gescheiten Spannungsbogen aufzubauen und den Darstellern genug Emotionen abzuverlangen.
Alles in allem würde ich aber trotz der doch recht großzügig ausfallenden Negativ-Kritik meinerseits sagen, dass es ein schöner Abend war, der sich durchaus gelohnt hat. Beim nächsten Mal werde ich auf jeden Fall in Erwägung ziehen, wiederzukommen.
[Dieser Blogpost wurde gefördert durch die wundervolle elektronisch-housige "Circle EP" von Cuebism, die man sich bei meinem Lieblings-Netlabel iD.EOLOGY kostenlos herunterladen kann. Und natürlich durch die insgesamt 21 (EINUNDZWANZIG!) Kurzfilme, die ich mir heute Abend angeschaut habe.]
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